53
ihrer undankbaren Rollen. Herr Karlowa (Georges)war ganz der edle junge Mann, an dem in den fran-zösischen Stücken die Verschuldungen, die man gegen seineEltern begangen hat, wieder gut gemacht werden; HerrBraunhofer (Lajaunaie) ganz der furchtsame Montjoye,der leider seine Frau wirklich geheirathet hat und an denNerven leidet, die der Ritter Montjoye nur spürt, wenner die Blumen seiner Tochter riecht; Herr Baumeister(Daniel) ganz der alte Sünder, dem nach zwanzig Jahren— „als er sein Schäfchen ins Trockene gebracht", würdeunser Sprichwort sagen — das Gewissen schlägt. HerrDehnicke (Roland) konnte frischer, muthwilliger undkindischer auftreten, gehört er doch im Ansang zu der,j6nn68S6 äores von Paris, im Ausgang zu den Zuavenvon Magenta. Die Charge des peruanischen Generals,den Herr Hiltl spielte, liegt uns zu fern, um wahrhaftkomisch wirken zu können; stellt sich bei uns auch einmalein Prinz von Armenien ein, so nimmt ihn von Gottund Rechtswegen die Posse in Beschlag, peruanische Ge-nerale aber kommen nicht in die Berliner Gesellschaft.So wacker darum auch Herr Hiltl seine Jagdgeschichten„von dort unten, im Süden", erzählte, das Publikum bliebnordisch kalt. Die Schauspieler erhielten den Beifall, densie zum Theil wohl vedienten.
Mittwoch, den 10. Februar 1864: Die deutschen Ko-mödianten. Drama in fünf Auszügen von B. H. Mosenchal.
Im dritten Theil seiner „Literaturgeschichte des 18.Jahrhunderts" bemerkt Hermann Hettner einmal treffend:„Viel trauriger als um den deutschen Roman" — er