Band 
[Erster Band]
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denkt an eine so hervorragende Erscheinung wie Grimmels-hausen's „LimMom minus" — „stand es am Ende des17. Jahrhunderts um das deutsche Drama. Im Romansind wenigstens die Anfänge glücklichen Aufstrebens; mankann die Hoffnung schöpfen, daß dereinst dieses ernie-drigte Geschlecht noch aus allen Schlacken geläutert her-vorgehen wird. Im Drama herrscht die haltloseste Ent-artung. Wer das Bild jenes Zeitalters allein den dra-matischen Zuständen entlehnen wollte, dem müßte es wieein unbedingtes Wunder erscheinen, daß die spätere Ge-schichte dennoch das Zeugniß einer so glänzenden Wieder-geburt ist." Ein deutsches Theater wollt ihr haben, woist denn ein deutsches Volk? Die Klage galt zu Lessing'sZeiten, wie hundert Jahre vor ihm, wie jetzt. Die Ge-bildeten unter den Deutschen huldigen der französischenKunst, von der Glätte ihrer Formen bestochen; um 1660bewundert man bei uns Corneille, um 1760 Voltaire,um 1860 Octave Fenillet. Unzweifelhaft sind die beidenersten Dichter geniale Menschen, die den Dingen in dasInnere sahen und ihr Jahrhundert bewegten, aber ihreArt ist eine gallische, unserer Volksthümlichkeit fremde undfeindliche. Und bewunderten denn die Fürsten und Edel-leute Deutschlands an Moliare seine Kunst? Erkanntensie im Tartuffe, was wir darin erkennen? Das Aus-ländische zog sie an, der Reiz einer fremden Sprache; siefanden darin gleichsam eine Schranke, die sie von demgemeinen Volke trennte.

Aber dies Volk wollte auch seine Belustigung habenund die Leute, die es zu erheitern versuchten, ließen nichtlange auf sich warten. Ueberall geht die Kunst nach Brod.Während die Fürsten sich an italienischen Singspielen,