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der Dichter läßt uns die tiefere Begründung vermissen.Zufällig belauschen beide die Versammlung der Friesenunter den uralten Eichen; von einer plötzlichen Begeiste-rung für ihr Volk, das doch ihrer Mutter als einer„Gefallenen" mit harter, zurückstoßender Kälte begegnet,für ihr Vaterland ergriffen, dem sie doch schon in derersten Kindheit entrissen wurde, das sie erst nach Jahrenwiedergesehen, stellt sich Edda an die Spitze der Friesen,feuert die Unentschlossenen an und führt sie, wie dieJungfrau von Orleans, gegen ihre Unterdrücker, die Sol-daten ihres Gemahls, zum Kampf. Müssen aber nichtweit andere Dinge geschehen, persönliche Beleidigungen,Thaten, die nicht zu vergeben sind, ehe die Gattin widerden Gatten sich erheben wird, sich erheben darf? Kanndie halberloschene Erinnerung an das Vaterland auf einWeib, das an der Seite eines Mannes steht, der sie liebt,der ihr eine Fürstenkrone erobern will, eine so dämonischeGewalt ausüben, daß sie gleichgültig das heiligste Bandzerreißt? In unserm Sinne hatten die wenigsten Men-schen des dreißigjährigen Krieges ein Vaterland; ihreBildung, ihre Anschauungen waren wesentlich andere, alsdie unsrigen. Man muß im „Simplicissimus" lesen, mitwelcher fast erschrecklichen Ruhe der Verfasser die Gränel-thaten der Soldaten an den Bauern erzählt, um überzeugtzu sein, daß die Frau des Obersten Karpezan über ange-zündete Dörfer und geschändete Mädchen nicht sonderlichin Erregung gerathen konnte. Darum sind diese Thatennicht entschuldigt — ein Mord bleibt ein Mord, wie ihnauch immer die Zeitgenossen betrachten — aber sie er-scheinen diesen selbst in einem andern Lichte als uns.Wohl wird es auch damals Frauen gegeben haben, die