Band 
[Erster Band]
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Uebertreibung wird einem Todten zu Theil und das Bild,das wir von dem jungen Monarchen dadurch erhalten, istein so liebenswürdiges, bestechendes, daß wir dem Dichtergern die allzuhellen Farben verzeihen. Die Prinzessinund Tarascon erreichen nicht die volle Lebendigkeit undUrsprünglichkeit wie diese Schilderung Lndwig's XIV.;das Schematische waltet in ihnen vor; die Prinzeß ist einebeleidigte Frau, in den bekannten Kämpfen zwischen Ehreund Liebe, neu ist im besten Falle das Kostüm dafür, indas Wesen dieser Leidenschaften, in die Tiefe eines soanfgestürmten Frauenherzens hat Brachvogel keinen dich-terischen Seherblick gethan. Taraseon erinnert im Aenßernan Dumas' d'Artagnan, sein Inneres ist deutsch-sentimental.Die anderen Figuren füllen in einiger Verworrenheitden leeren Raum aus, der zwischen den Scenen der dreiHauptpersonen sich findet. Geschickt weiß der Dichter einevorübergehende Theilnahme bald für Turenne, bald für denSchreiber Colbert zu erwecken, geschickt große Massen zubewältigen und das Ganze theatralisch zu gestalten. Wasder künstlerische Sinn, ein gebildeterer Geschmack auch andem neuen Schauspiel auszusetzen hat; wie wunderlich sichauch Einzelnes ausnimmt, etwa die Erstürmung der Bastille,die an die Anfänge der dramatischen Kunst gemahnt, ingefälliger Täuschung befangen folgen wir dem Dichter.Die glänzende Ausstattung, die schimmernden Kostüme,die Decorationen, Musik und Fackeln, Kanonenschüsse unddas Knattern der Gewehre thun das Ihre; aber bei alle-dem weht ein echter, erfrischender Hauch der dramatischenMuse uns an. Brachvogel wäre der Dichter einer Volks-bühne, er malt al Fresco. Seine wundersame, verschlungeneBildersprache, in der hart auf die Ferse des überschwäng-