Band 
[Erster Band]
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reich" 1845. Sie besitzen alle Vorzüge und alle Schwächenihrer Zeit. Das Rhetorische überwiegt das Tragische.Für das historische Schauspiel, das der Dichter mit Vor-liebe gepflegt hat, waltete noch das alte Schema vor:eine Staatsactivn mit einer dürftigen Liebesgeschichte.Die Gesinnung des Helden wird stärker betont als seine.That; gern werden die Gegensätze der Freiheit und Knecht-schaft, des deutschen Vaterlandes und der Fremde hervor-gehoben. Die Weite des historischen Blicks, die Schillerhatte, seine geniale Kraft in der Darstellung der gefchichte-machenden Massen in „Wallenstein's Lager", in „WilhelmTeil" und im ersten Akte des „Demetrins" ist seinenNachfolgern in einer politisch trägen Zeit verloren- ge-gangen. Statt uns für eine lebendige, bewegte Hand-lung menschlich zu interessiren, fordert uns der Dichternur auf, ihm zuzuhören als Deutsche, als Bürger. Wasjetzt in hundert Zeitungen auseinandergesetzt, von hundertRednerbühnen herab verkündigt wird, das Alles sprachsich damals einzig und allein auf den Brettern, welchemit ganz anderer Wahrheit als heute die Welt bedeuteten,aus. Von diesem Gesichtspunkt ist Mosen's „HerzogBernhard von Weimar" zu betrachten.

Ein edler deutscher Fürst, in: Kampf für die Glau-bensfreiheit, von den Seinen feige verlassen, schließt einenBund mit den Fremden, den Franzosen, und wird, als ersich von ihnen losmachen will, von ihnen vergiftet. Soklar und einfach wie das Thema ist die Ausführung.Indem Herzog Bernhard sich mit dem Abgesandten Riche-lieu's, dem Pater Joseph, verbindet, gerätst er in einenConflict mit sich selbst: der Freund Frankreichs und derdeutsche Reichsfürst stehen sich in ihm gegenüber. Sym-