Band 
[Erster Band]
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eine der am wenigsten sympathischen. Nicht leicht wirdman all' den häßlichen und gemeinen Beschuldigungen Glau-ben schenken, die ihren Sturz herbeiführten, doch bleibt immergenug übrig, um ihren Untergang erklärlich und im Sinneder Zeit gerechtfertigt zu finden. Von der Würde und Ent-sagung der spanischen Katharina, von dem holden Liebreizder Anna Boleyn war nichts in ihr; als eine junge Damevon kleiner Statur und nicht besonders hübschen Zügen,aber von ausnehmend gewinnendem Betragen, schildert siedie Chronik. Eben so wenig wie Katharina Howard er-scheint der Blaubart-König Heinrich als eine für dieTragödie vor Anderen geeignete Persönlichkeit. Gottschallhat Recht, wenn er seinen König „eine nicht durch dieSchablone gezeichnete Figur" nennt. Aber in dieser Figurüberwiegt schon durch die falstaffartige Leibesbeschaffenheitdes Königs das Groteske und Koboldartige. Auch demgrößten Dichter würde es kaum gelingen, uns, bei derFesthaltung der charakteristischen Züge dieses Mannes,die wir nun doch einmal verlangen, an eine tragischeLeidenschaft der Liebe oder der Eifersucht in seiner Seeleglauben zu machen.

Diesen nicht allzu günstigen Stoff, da er nichts Edles,Großartiges oder Schreckliches enthält, hat der Dichternicht zu einer Charakter-, sondern zu einer Situations-tragödie der Liebe verwandt. Ich meine, eine strengerhistorische Fassung Katharina's, ein stärkeres Hervorhebender Glanbenskämpfe zwischen Protestanten und Katholikenin dem damals noch unentschieden zwischen der alten undneuen Lehre hin und her schwankenden England würdender Dichtung ein tieferes Interesse verliehen haben. DieLiebesdnette ermüden; in der Wirklichkeit mochte Hein-