Band 
[Erster Band]
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Cardinal Richelieu und seiner Nichte, der Herzogin vonAiguillon, erfunden; als Herzog Bernhard dies Geheimnißerfährt, in der Dame, die er bisher leidenschaftlich geliebthat, die er zu seiner Gemahlin erheben wollte, eine „Buh-lerin" erkennt, sagt er sich von ihr und Frankreich los;zu spät erfährt er, daß er einen schmählichen Vertrag, derihn um seine Hoffnungen betrügt, unterzeichnet hat; zornigzerreißt er ihn und will nun seinen Frieden mit dem Kaisermachen. Da gewinnt die Herzogin durch das Geschenkihrer Gunst seinen Arzt Blandini, ihm tödtliches Gift inden Wein zu mischen. Ich glaube, weitn die dramatischenDichter einfach bei der Geschichte blieben, würden sie einentieferen Eindruck hervorbringen. Herzog Bernhard starb undmußte — poetisch genommen — sterben, weil er den unab-hängigen deutschen Fürsten nicht mit dem Generalissismusdes französischen Königs in Eintracht zu bringen vermochte;die Politik tödtete ihn, nicht eine romantische Liebe.

Gottschall's Drama leidet an dem Mangel einer origi-nalen Erfindung. Im ersten Akt das Lager; im zweitenund dritten die diplomatischen Verhandlungen und Liebes-scenen in Paris; im vierten und fünften der weit gedehnteAusgang des Helden entbehren der Frische und Eigen-thümlichkeit. Man athmet Jambenlnft, nicht Luft desdreißigjährigen Krieges; man sieht dieselben Scenen, dieman so oft gesehen, dieselben Männer, dieselben Frauen.Da ist die leidenschaftliche welsche Buhlerin, das deutschetreuherzige, idyllische Mädchen, das dem Geliebten aufSchritt und Tritt nachgeht. Alles, wie man es von einemDichter, dem der lyrische Schwung und die Rhetorik desgroßwuchtigen Wortes in so hohem Maße zu Gebote stehen,wie Gottschall, erwarten darf, schicklich und geschickt, in