Band 
[Zweiter Band]
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Empfindung, daß er selbst die schöne Begeisterung undHingabe der Jugend eingebüßt hat. Michael Beer's„Struensee" gilt nach dem einaktigen Trauerspiel „DerParia" für seine gelungenste Dichtung. Sie ist nach demSchiller'schen Muster groß, würdig und stattlich angelegt,die Verbindung einer Staatsaction mit einer roman-tischen Liebesgeschichte. Als Michael Beer im Jahre1827 seine Tragödie dichtete — aufgeführt ist sie zumersten Male am 27. März 1828 im Hoftheater zu München,und die Liebhaber literarischer Curiosttäten können inHeine's Werken einen Bericht über diese Vorstellung nach-lesen — kannte er die Gestalten Strnensee's und derKönigin Caroline Mathilde nur im Gewände der Sageund der Legende. Sehr allmählig hat sich seitdem dasDunkels das Strnensee's Glück und Ende verhüllte, ge-lichtet. Bei Michael Beer hat Struensee viel von seinerEigenart und Persönlichkeit verloren, ganz und voll ister der Ausdruck und der Ritter der Aufklärung geworden.Die Ideen Pombal's und Tanucci's, der französischenEncyklopädisten, die Staatsgrundsätze Friedrich's II. undJoseph's II. verkörpern sich in ihm; er ist der tragischeHeld des erleuchteten Despotismus, der von den Stufendes Thrones herab einer noch blöden, in alten Gewohn-heiten und Vorurtheilen festgewurzelten Menge Freiheitund Bildung geben, einen eben erst von der BlindheitGeheilten zwingen will, in die rothglühende Sonne zusehen. Von alledem paßt auf den wirklichen Struenseedoch nur der eine und der andere Zug. In Wahrheitgleicht er viel mehr einem unserer dichterischen Stürmerund Dränger als einem großen Staatsmanne mit weit-tragenden Gedanken. Sein Liebesverhältniß zur Königin