Band 
[Zweiter Band]
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Caroline Mathilde, auf dem im Grunde die ganze Tragödieberuht — denn aus Liebe zu ihr bewilligt Struensee diefrechen Forderungen der aufständischen Soldaten, aus Liebezu ihr verharrt er in seiner hervorragenden Stellung ander Seite des blödsinnigen Königs und fordert geradedadurch seine Gegner zu dem entscheidenden Schritte gegenihn heraus — ist durch viele nicht anzuzweifelnde Akten-stücke seitdem in Frage gestellt worden; eine ebenso un-muthige wie anschauliche Schilderung der Königin in ihrenspäteren Tagen hat Julius Rodenberg in seinem Buche:„In deutschen Landen" gegeben. Wie dem aber auch sei,so sentimental und idealisch, wie Michael Beer die Sachegefaßt hat, spielte sie sich schwerlich in der Wirklichkeitab. Das Abgeblaßte dieser beiden Figuren fiel schonHeine bei seiner Recension auf; in dem faltenreichen,schimmernden Gewände einer edlen, gedankentiefen undvon Bildern glänzenden Sprache schreiten sie einher, mehrSynrbole, als leibhaftige Menschen. Aber man darf nichtvergessen, daß zur Zeit, wo Beer dichtete, ja selbst in denTagen, wo ich dies Stück zum ersten Male sah, dieSymbole einen höheren Werth hatten, als jetzt. Struenseeerschien als der liberale Staatsmann, den eine heimtückischeVerschwörung des Adels, der Officiere, einer ränkesüchtigenKönigin-Mutter mitten in seinem Werke stürzt. Die Ele-mente, welche nach 1848 die Reaction wieder herausgeführthatten, der Adel, das Heer, die Hof-Camarilla, hatten auchStruensee vernichtet; kein Wunder, daß seine Worte:

„Nur durch die Kön'ge sind die Völker mächtig,

Nur durch die Völker sind die Kön'ge groß —"

noch 1850 einen unermeßlichen Widerhall fanden. CarolineMathilde war nicht nur die Märtyrerin einer edlen Liebe,