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sie büßte auch ihre freisinnigen Ideen — eine Fürstin,die sich in schöner Menschlichkeit von dem höfischen Zwang,den drückenden und peinlichen Formen befreien will, umganz ihrem großen Herzen folgen zu können.
Charakteristischer als diese Idealfiguren sind dem Dichterdie Verschworenen gelungen: Ranzau, Ove Guldberg, OberstKöller, Königin Juliane, die Stiefmutter des regierendenKönigs Christian's VII.: eine aufsteigende Reihe interessantund lebenswahr entworfener Figuren, die in dem Meister-bilde der alten Königin sich gipfeln. In der Auffassungwie in der Durchführung dieses Charakters beweist MichaelBeer am klarsten sein dramatisches Talent. Alles Finstere,Unheimliche, Hassenswürdige, was Geschichte und Sageihr zuschreiben, hat er ihr gelassen; aber während sie unsSchauer und Furcht einflößt, fesselt sie uns zugleich. Sieist der Dämon, in dem sich die dunklen Mächte des Alten,die allem Neuen, Freien und Schönen feindlich sind,fürchterlich vereinen. Der Handlung fehlt der rasche Gangeiner Shakspeare'schen, der breite Strom einer Schiller'schenTragödie; hier und dort begegnet man einer aufhaltenden,einer matten Scene. Der Dichter geräth erst allmähligin Schwung, er bedarf eines wiederholten Ansatzes undAnlaufs. Dafür ist er in den bedeutsamen Momentenfeurig, beredt, der dramatischen Wirkung mächtig, nichtunwerth, in erster Linie hinter Schiller einherzugehen.
Freilich gehört eine treffliche Darstellung dazu, umdas Stück zur vollen Wirkung kommen zu lassen. Wiebekannt, hat Meyerbeer zu der Dichtung seines Bruderseine berühmte und von seinen Verehrern hochgeschätzteMusik geschrieben. Außer der Ouvertüre sind auch dieeinzelnen Akte durch Musikstücke verbunden; zuweilen, so