Band 
[Zweiter Band]
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Lustspiels liegt zu Grunde; die einleitende Scene zwischendem Lord und dem trunkenen Kesselflicker, dem das Ganzevorgespielt wird, fehlt, obgleich meinem Gefühl nach dasPossenhafte, der Fastnachtsscherz der Dichtung dadurchbesser hervorgehoben und das Rohe und Verletzende inihr — die Zähmung eines Weibes wie die eines wildenThiers durch Hunger und Durst, Schläge und Nachtwachen— eine Milderung erfährt: die grobe Kost paßt für einenso groben täppischen Gesellen, wie dieser Kesselflicker einerist. Zu Garrick's Zeiten wurde die Geschichte Petrucchio'sund des bösen Käthchen's aus dem englischen Theater durch-aus als Posse, in wildester Uebertreibung gespielt. „Wood-ward", berichtet Gervinus, .„spielte damals den Petrucchioin solcher Wuth, daß er seine Mitspielerin, Mrs. Clive,mit der Gabel in den Finger stach und, als er sie von derBühne wegreißt, zu Boden warf." Wenn Gervinus, vonsolchen Roheiten verletzt, den Schauspielern Mäßigunganräth, ist er im Recht, aber er geht zu weit, wenn erdas Possenhafte des Ganzen nun in seinen schalkhaftenHumor verwandelt wissen will. Die „bezähmte Wider-spenstige" ist kein feines Lustspiel, keine llaut« omnmlie;sie wird sich zu „Was Ihr wollt" oder „Viel Lärmenum Nichts" immer wie Molisre's „Arzt wider Willen"zu seinen „Gelehrten Frauen" verhalten, und dieser Unter-schied muß in der Darstellung gewahrt bleiben. Die Auf-führung in Meiningen litt unter diesem Zwiespalt derAuffassungen; der begabtere Theil der Mitglieder, dieDarstellerin der Katharina (Fräulein Franz), die Dar-steller des Vincentio (Herr Weilenbeck) und des Grumio(Herr Chronegk) suchten vor Allem dem komischen Zugeder Dichtung Genüge zu thun, aber das schnellere Tempo,