Band 
[Zweiter Band]
JPEG-Download
 

113

innewohnt, hervorheben. Das Gespräch zwischen Brutus,Casstus und Casca im ersten Akte; die Verschwörungs-scene im zweiten Akte, die nicht nur durch die zauberischeBeleuchtung, sondern viel mehr noch durch den unheim-lichen Flüsterton, mit einzelnen stärkeren Ausbrüchen,durch die düstere Haltung der Verschwörer ergriff; dieZeltscene zwischen Brutus und Casstus mit der ErscheinungCäsar's, die sich daran knüpft, verdienen volle Anerkennung.In erster Reihe nenne ich Herrn Barnay vom Stadt-theater zu Frankfurt am Main, seit längerer Zeit Ehren-mitglied des Meininger Hoftheaters, der den Antoniusmit einer gewissen großartigen Anlage, gleich trefflich denSchweiger und den Staatsmann und Feldherrn charak-terisirend, darstellte. Er vereinigt eine edle und vor-nehme Erscheinung mit einem wohlklingenden und kräftigenOrgane; er hat eine natürliche fortreißende Beredsamkeitund ein Gefühl des Maßvollen, das ihn, fast möchte ichsagen, zu behutsam macht, dafür aber fein Spiel undseine Rede vor jeder Uebertreibung bewahrt. Der Brutusdes Herrn Hellmuth-Bräm und der Casca des HerrnStoppen Hagen sind kraftvoll und charakteristisch ge-halten; das Ehrenfeste und Gefühlvolle des Brutus kamebenso wie die Ironie, die Tücke und Kälte des Cascazum richtigen Ausdruck. Herr Teller hat zum Casstusdie Gestalt; eine treffliche Maske unterstützt ihn, dieAnlage der Rolle ist gut gegriffen und die Wirkungwürde eine noch größere sein, wenn er sein Gesicht ruhigerhielte; gerade während der ersten Akte muß das Antlitzdes Casstus etwas Maskenhaftes haben: er ist rechteigentlich die Seele der Verschwörung, etwas wie einGedanke, daher Cäsar's Haß wider ihn. Herr Nesper

Frenzel, Dramaturgie. II. 8