Band 
[Zweiter Band]
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gewöhnliches geboten wird; daß hier klassische Dramenin vollendeter, stilvoller 'Einrichtung vor uns erscheinen.Ueber Einzelnes wird immer gestritten werden, bald überein Zuviel an dieser, ein Zuwenig an jener Stelle; dasPrincip indeß bewährt sich bei jeder neuen Vorführungeines klassischen Stücks allen theoretischen Anfechtungen,allen praktischen Unzulänglichkeiten gegenüber als richtigund wahr. Das „Käthchen von Heilbronn" gehört zuden bekanntesten und beliebtesten Schauspielen der deutschenBühne; überall wird es gespielt, Jeder hat es gesehen —und dennoch sagt man sich der Meiningen'schen Darstellunggegenüber, daß man jetzt erst die Dichtung Kleist's wirklichverkörpert gesehen. Aus zwei Gründen: einmal kommthier der Dichter und nicht der Bearbeiter zum Wort unddann erscheint, bis in die kleinste Einzelheit hin aus-gearbeitet, die Welt, in der das Stück sich bewegt, vordem überraschten Zuschauer. Die Meininger lassen beiihrer Aufführung nur vier kurze Auftritte, die letzten desvierten Aktes, fort und streichen innerhalb des Textesnur das Nothwendigste. Mit wenigen Ausnahmen über-schreiten unsere klassischen Dramen die drei oder viertehalbStunden eines Theaterabends um ein Beträchtliches, ge-wisse Kürzungen find also unumgänglich nöthig, es fragtsich nur, wo und wie dieselben vollzogen werden. Diebisherigen Bearbeiter des „Käthchen's" haben nun ausder Dichtung Alles entfernt, was ihnen zu derb, zu roh,zu gewagt erschien; geblieben ist eine romantische, senti-mentale Theaterprinzessin, ein wunderlicher Heiliger GrafWetter vorn Strahl, eine kokette, habsüchtige EdelsrauKunigunde von Thurneck: nicht viel mehr als die Schattender Kleist'schen Gestalten. Hier treten sie uns in Fleisch