Band 
[Zweiter Band]
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keinen Sonnenblick, keinen Regenbogen? Und diese Frageverschärft sich noch, wenn wir genauer nach dem Grundespüren, aus dem das Unheil emporkeimt. Ein Gutsherrwill seinen Wald an einer bestimmten Stelle durchforstenlassen, sein Förster verweigert es eigensinnig, trotzig, mitherausforderndem Hohn. Grille steht wider Grille; mög-lich, daß der Herr sich ins Fleisch schneidet, wenn er diealten Bäume fällt, die eine Schutzwehr gegen die Stürmebilden, aber es ist doch eben sein Wald, um den es sichhandelt; gewiß, der Förster sollte sich dem Befehl seinesHerrn fügen, aber sein Widerspruch beruht auf so gutenGründen und entspringt aus einer so wackern Gesinnung,daß die bärbeißige Weise seiner Entgegnung wohl Ver-zeihung finden kann. Aber der Dichter will nun einmalnicht, daß an diesem Tage die beiden Hitzköpfe sich ver-söhnen sollen, wie sie sich während eines Jahrzehnts nochimmer wieder nach heißem Zank die Hände gereicht haben.Und dies gerade verstimmt uns: der Dichter allein, sagenwir, nicht das unerbittliche Schicksal foltert uns; zwischendem Herrn und dem Diener steht kein Schatten, keine tra-gische Schuld — die Entlassung aus dem Dienst, das DutzendJagdhiebe, die ein junger Bursche zu kosten bekommt, werdenzur Tragik aufgebauscht, sie sind es nicht in und an sich,wie der Conflict zwischen Lear und seinen Töchtern, zwi-schen Don Carlos und König Philipp, zwischen demPrinzen und Odoardo Galotti. Die lebenswahre Charak-teristik der einzelnen Gestalten im „Erbförster", die idyl-lische Poesie des Anfangs, der jähe Umschlag, die meister-hafte Steigerung der Handlung durch die Entwickelung derGegensätze, das Schaurige des Ausgangs, der Odem desWirklichen, der Walderdgeruch, der uns entgegenquillt —