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sie helfen uns wohl über Unbehagen, Pein und Verstim-mung hinweg, aber leider! nur durch die Reflexion, nichtdurch das Gefühl. Ein großer Dichter, ein ergreifendesTrauerspiel, sagen wir mit dem Urtheil des Verstandes,aber unser Herz athmet bei dem Schlüsse wie von einemAlpdruck befreit auf.
Die Gesellschaft des Meininger Hoftheaters hat diesStück auf ihr Repertoir gesetzt, um uns einmal ihre schau-spielerische Kunst ohne Gepränge von Decorationen, Gewän-dern und lebenden Bildern zu zeigen. Eine Försterstube,das Wohnzimmer eines Gutsherrn, eine Waldschlucht, eineGrenzschenke — die einfachsten Räume in charakteristischer,aber keineswegs auffallender Ausstattung. Es fehlen allemalerischen Gruppirungen, alle Massenwirkungen. Den-noch ist das Ganze von dem eigenartigsten Reize. Figurenwie der Holzhüter Weiler, der Bauer Willens, die Wild-diebe Frei und Lindenschmied versetzen den Zuschauer un-mittelbar unter die Tannen und Fichten des ThüringerWaldes, in das Jahr 1848. Tracht, Erscheinung, Zu-sammenspiel sind gleich trefflich. Wie auf allen anderenTheatern wird auch in Meiningen nach dem alten Spruchemit Wasser gekocht. Oft genug wünscht man in Shak-speare'schen, Kleist'schen, Schiller'schen Dramen für einzelneRollen hervorragendere Schauspieler zu sehen, wo wünschteman dies nicht! Eine in allen Theilen vollendetere, mehrzusammenstimmende, besser abgetönte Darstellung des „Erb-sörsters" als die der Meiningen'schen Schauspieler aberdürfte überall zu den Seltenheiten gehören. Im Anfangwar das Spiel etwas zu unruhig, im fünften Akte hier unddort mit allzu grellen Farben überladen: sonst das Ganzeein Guß, schlichte Natürlichkeit und ergreifende Wahrheit.