Band 
[Zweiter Band]
JPEG-Download
 

139

Im Vordergründe stehen Herr Hellmuth-Bräm (derErbsörster Ulrich) und Fräulein Pauli (Marie): Vaterund Tochter in gleich lebensvoller Gestalt. Herr Hell-muth-Bräm hat den Helden des Dichters in seiner Herzens-einsalt und seinem Starrsinn sich ganz zu eigen gemacht,die einzelnen Züge und Gewohnheiten verschmelzen sich zueinem Charakterkopf, der den Zuschauer vorn ersten Augen-blick an anzieht und seine Aufmerksamkeit und Theilnahmeerst am Ausgange losläßt. Fräulein Pauli ist in denScenen des vierten Aktes von einer leidenschaftlichen Ge-walt der Empfindung, die fesselt und rührt. OriginelleGenrefiguren stellen Herr Weilend eck (Holzhüter Weiler)mit seiner unbewußten Ironie und seiner heimlichen Schaden-freude, Herr Teller (der Buschjäger) in seiner Trunken-heit hin. Die Herren Raupp und Heine sind ein Paarverkommener Strolche, wie aus einem Bilde Vautier's ge-schnitten. Frau Berg (Frau Sophie) und die HerrenStoppen Hagen (Gutsbesitzer Stein), Richard (Robert),Prasch (Andres) und Hassel (Pfarrer) bilden, jeder inseiner Weise charakteristisch, ohne Uebertreibung, die Staf-fage. Zieht man nur die schauspielerischen Leistungen imEinzelnen und in ihrer Zusammenwirkung in Betracht, soist neben dem „eingebildeten Kranken" der „Erbsörster" dasHervorragendste, was die Meininger Hofschauspieler bieten.

In der Ausführung des Schiller'schen Schauspiels„Wilhelm Teil", welche die Meininger Donnerstag,den 18. Mai, gaben, erregte besonders der Darstellerdes Teil, Herr Ludwig Barnay, die allgemeine Auf-merksamkeit. Originalität wird man der Barnay'schen