Band 
[Zweiter Band]
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fügen jetzt unsere Theater; sie nehmen alle neuesten Ent-deckungen der Physik und Mechanik in ihre Dienste undzaubern Himmel und Hölle leicht den erstaunten und ge-blendeten Zuschauern vor. Freilich, so mühelos wie dieäußerlichen Schwierigkeiten lassen sich die inneren nicht be-seitigen. Nicht entfernt ist die Faust-Dichtung so auseinem Wurf und einem Geiste hervorgegangen, wie derCyklus der Shakspeare'schen Königsdramen. In einem langenLeben hat Goethe Stein um Stein zn diesem Bau zu-sammengetragen; das Verschiedenartigste tritt, oft unver-mittelt, neben einander auf; Stimmungen, die aus demtiefsten Herzen strömen und in jeder Brust ein Echo finden,wechseln mit den wunderlichsten Grillen, für die wir müh-sam nach einer Erklärung suchen.

Mancherlei Versuche werden daher noch gemacht werdenmüssen, ehe die endgültige Bühnenform der Faust-Dichtungfeststeht. Mit Shakspeare's »Hamlet" ist es nicht andersgegangen; seine „Historien" werden im Einzelnen nochmanche Umarbeitungen erfahren, sein „Coriolan" ist nochimmer nicht der deutschen Bühne vollkommen einverleibt.Zu den werthvollsten und folgenreichsten Versuchen, diehinsichtlich des „Faust" gewagt worden sind, rechne ich diebeiden Aufführungen, die am 6. und 7. Mai 1876 inWeimar vor einem auserlesenen Publikum stattgefundenhaben. Was ich von der Spielweise der Meininger schonim Jahre 1870 prophezeit habe, das sage ich auch vondiesen Weimarer Darstellungen: sie werden eine Revolutionin unserm Schanspielwesen hervorbringen. Wie jetzt keingrößeres Theater es mehr für erlaubt hält, klassische Dramenin der unrichtigsten und erbärmlichsten Ausstattung aufzu-führen; wie man überall sich bemüht, den Originaltext der