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[Zweiter Band]
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Dichter wiederherzustellen und nach dem Vorgang der Mei-ninger das Bild der Zeit heraufzubeschwören, in der JuliusCäsar, Fiesko, die Hermannsschlacht sich abgespielt: sowird nach einigen Jahren auch die mittelalterliche Mysterien-bühne mit ihren drei Räumen: Erdgeschoß, Brücke, Zinne,ein nothwendiges Requisit für eine Fülle von Scenen undStücken geworden sein. Denn hierin liegt der schöpferischeGedanke Otto Devrient's, des Regisseurs des WeimarerTheaters, diese Form der Bühne für die Faust-Dichtungwieder zu beleben. Nicht nur der Zusammenhang des Ganzenwird dadurch, auch für das Auge erkennbar, hergestellt,sondern die Unterordnung der einzelnen Scenen gegenüberdem Ganzen, ihr Verhältniß zu der Composition, derUebergang aus der einen in die andere treten mit scharferDeutlichkeit hervor. Ungeahnte Wirkungen werden erzielt,die verschiedenartigsten Bilder ziehen, ohne je aus dem festgefügten Rahmen zu fallen, an uns vorüber, das geheimsteLeben der Dichtung offenbart sich uns.

Am Abend des 6. Mai kam der erste, am Abenddes 7. der zweite Theil des „Faust" zur Aufführung.Im Stil der alten Mysterienbühne hatte sie Otto De-vrient „Tagewerke" genannt. Ein Trompetenaccord — derVorhang geht in die Höhe. Auf einem schmalen Raum,unmittelbar hinter dem Souffleurkasten, erscheinen im Ko-stüme des vorigen Jahrhunderts der Dichter, in der Maskenicht ungefällig an Goethe erinnernd, mit dem Director undder lustigen Person. Diese wohllautenden Verse, so voll Sinnund Schalkhaftigkeit, so gedankenreich und empfindungstief,üben einen unaussprechlichen Zauber aus, es giebt keinebessere Einführung in die Dichtung. Und indem der Di-rector nun eiligen Schrittes, wie Einer, der vorn Gedanken

Frenzel, Dramaturgie, II. 11