Band 
[Zweiter Band]
JPEG-Download
 

163

das Auskunftsmittel, den „Herrn" und den Erdgeist alsein Wesen zu fassen, widerspricht der Absicht und demWortlaut des Dichters. Erhaben weilt der „Herr" oballem Geschaffenen; „ich" — sagt dagegen der Erdgeist

— „ich schaffe am sausenden Webstuhl der Zeit und wirkeder Gottheit lebendiges Kleid." Aber hinter einer Glorievon Engelsköpfen, oder in einem mächtigen, die ganze Bühneübersluthenden Lichtschimmer konnte eine Stimme ertönen,die jeder Zuhörer als die des „Herrn" gelten lassen würde.Mit den Worten: „Und was in schwankender Erscheinungschwebt, befestiget mit dauernden Gedanken — „schließt sichder obere Theil der Bühne ab, Wolken ziehen herauf, dieEngel' verhüllend. Mephisto bleibt aus der Treppe, wieim Anschaun verloren, einen Augenblick stehen, und währender hinabsteigt, fällt der Vorhang. Der erste Akt spieltin Fanst's Studirzimmer, zu ebener Erde. Die Dekorationhat nur eine mäßige Tiefe und ist in drei Nischen ge-theilt. In der mittelsten, der tiefsten, sitzt Faust bei seinenBüchern, durch das an der Seite angebrachte Fenster fälltder Mondschein. In der linken Nische steht der Ofen,hinter dem Mephisto als fahrender Scholast hervortritt

— im zweiten Theil arbeitet hier Wagner an seinemHomunculus. Die rechte Nische, als Schlafkammer Faustensgedacht, ist anfangs geschlossen, hier befindet sich das Ruhe-bett, mit dem Mephisto und Faust in die Lüfte stiegen:so im ersten wie im zweiten Theile. Das Ganze ist einhochgewölbtes, gothisches Gemach, das Mauerwerk theil-weise zerfallen; die Bilder, die Mephisto dem Schlafendenvorgaukelt, erscheinen in der Wölbung. Zur vollsten Wir-kung gelangte die Dreitheilung der Bühne bei vier Scenen:dem Spaziergang am Ostersonutag, dem Zechgelage in

11*