Band 
[Zweiter Band]
JPEG-Download
 

174

braven Schauspieler und Sänger der Bühne unseren Dank:in erster Linie die Herren Otto Devrient (Mephisto),Brock (Faust), Milde (Lynceus) und die Damen FräuleinGündel (Gretchen), Frau Savits (Helena), FräuleinSeniler (Euphorion). Wohl bedarf dieser Versuch nochder mannigfachsten Besserungen und Ausfeilnngen, Einzelneswird sich bei späteren Aufführungen selbst auf der Wei-marer Bühne freier und übersichtlicher gestalten — aberder Anfang ist gemacht, eine bedeutende Anregung gegeben.Eng und beschränkt ist der Raum dieser Bühne, bescheidensind die Geldmittel und die schauspielerischen Kräfte, überdie sie verfügt, und doch dient sie, gerade wie die Mei-ninger, allen deutschen Theatern zum Vorbild. Sie hatder dramatischen Kunst wieder einmal ein hohes und edlesZiel gesteckt. Eine Darstellung der Faustdichtung ist einganz anderer Vorwurf, als die Einstudirung von einemDutzend moderner Lustspiele; sie stellt'dem Dramaturgen,dem Regisseur, den Schauspielern schwierige Aufgaben, sieerhebt das Publikum aus dem alltäglichen Gewühls injene weihevolle Stimmung, in der allein Kunstwerke ge-nossen werden sollten, in der allein aber auch die Bühnezur Schule des Höchsten und Tiefsten wird und, indemsie zu einer gewissen Gleichberechtigung mit der Kirche ge-langt, zum vollsten Bewußtsein ihres Werthes und ihrerStellung in dem Leben eines Volkes kommt. Zu dxrLösung einer solchen Aufgabe den Antrieb gegeben zu haben,ist ein Verdienst, das dem Theater vor allen andern schönsteht, das Goethe als seinen Begründer preist und ehrt.

Die Frage, ob man die ganze Faust-Dichtung zurDarstellung auf der Bühne einrichten könne und dürfe,wird durch eine gelungene Aufführung weder im bejahen-