den, noch durch eine mißlungene im verneinenden Sinneendgültig entschieden. Es bedarf einer Reihe von Ver-suchen, ehe sich ein allgemeines Urtheil des gebildetenPublikums darüber festgestellt hat, ehe die Stimmung desVolkes dem neuen Werke gegenüber zum Ausdruck gelangtist. Denn darüber kann kein Zweifel sein, daß der zweiteTheil des Faust der Menge ein vollkommen unbekanntesWerk ist. Selbst denen, die ein und ein anderes Maldarin geblättert haben, erscheint dieser Theil der Dichtungals ein dramatisches Ungeheuer, das man nur in gebüh-render Entfernung anstaunen darf. Wie die früheren Dar-stellungen des zweiten Theils im Victoria-Theater zuBerlin, im Stadttheater zu Leipzig, ist auch die jetzigeAufführung in Weimar nur als ein Versuch, nicht alseine vollendete Lösung der Aufgabe zu betrachten.
Aber gerade von den Verehrern des Dichters werdenEinwendungen gegen die theatralische Darstellung des Fausterhoben. Der Umfang der Dichtung; der Prolog im Him-mel, der ängstliche oder fromme Gemüther peinlich berüh-ren könnte; der Ausgang des Ganzen, der opernhaft undnicht tragisch befreiend und erhebend wirkt; das vielfachUnklare und Unzusammenhängende, das Allegorische undWunderliche des zweiten Theils gelten ihnen als guteGründe, die Ausführung abzulehnen, auch wenn sie ihreMöglichkeit nicht bestreiten. Andere halten den zweitenTheil des Faust für ein halb mißlungenes Werk Goethe'sund wünschen nicht, daß man es dem Volke zeige, sowieman ja auch die Mängel und Schwächen eines verehrtenTodten zu verbergen, aber nicht zu enthüllen Pflege. Einedritte Meinung geht dahin, daß der zweite Theil des Faustwie die Mysterien von Eleusis einzig den Eingeweihten