Band 
[Zweiter Band]
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gehöre und nicht von profanen Augen angeschaut werdendürfe. Alle diese Ansichten werden niemals durch die De-batte, sondern nur durch die Anschauung widerlegt werden.Steht einmal der zweite Theil der Dichtung so festgefügtauf dem Brettergerüst, wie der erste, so wird sich derWiderspruch gleichsam von selbst verflüchtigen und verlieren.

Zwei Punkte werden dem Leser, der mir bis hierhergefolgt ist, sogleich in die Augen gesprungen sein-. einmal,daß die Länge der Aufführungen unter allen Umständenbeseitigt werden muß und daß die mittelalterliche Mysterien-bühne sich besonders geeignet für die Darstellung der Dich-tung, wenn man sie als ein Ganzes faßt, erweist. EineFestversammlung in gehobener Stimmung, voll regsterTheilnahme, kann zwei Abende hintereinander je sechs Stun-den im Theater ausharren — einem gemischten Publikumist dies nicht zuzumuthen. Hier also hat die Bearbeitungzunächst einzusetzen. Für den ersten Theil bieten sich, nachmeiner Ansicht, zwei Auswege. Der eine wird von Allenverworfen werden: ein Zusammenstreichen der Gretchen-fcenen. Diese Episode spielt in dem reichen Leben Faust'seine so geringe Rolle, hat Mit seiner geistigen Entwickelungund mit dem schließlichen Austrag der Wette des Herrnmit Mephisto nur in zweiter Reihe zu schaffen, daß dieAusführlichkeit, mit der sie Goethe behandelt hat, die Maß-verhältnisse der Composition störend durchbricht. Die LiebeFaust's zu Helena erscheint viel wichtiger, einschneidender,folgenreicher und dentungsvoller und ist trotzdem kürzerbehandelt: Gretchen ist ein ausgeführtes vollendetes Bild,Helena eine Cartonzeichnung. Aber es ist klar, daß Nie-mand diese Scenen wird entbehren wollen; daß kein Be-arbeiter die Barbarei begehen wird, sie anzutasten. Auch