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die Einsicht, daß die Mysterienbühne eine Zusammenziehungdieser Scenen fordert, wird nicht verfangen. So bleibtnur der andere Weg: die Dichtung auf drei Abendezu vertheilen. Am ersten würden das Vorspiel, der Pro-log im Himmel und die Scenen bis zum Emporfliegen desFaust und Mephisto's auf dem Zaubermantel aus demStudirzimmer zur Darstellung gelangen; am zweiten spieltesich dann in geschlossener Einheit die Gretchentragödie ab;den Auftakt würden die Scenen in Auerbach's Keller undin der Hexenküche geben; die Walpurgisnacht mit der Er-scheinung Gretchen's bereitete auf die Kerkerscene vortreff-lich vor und mischte in die kleinbürgerlichen Verhältnissedas phantastische Element, das nun einmal von der Sageher eine der unzerstörbaren Wurzeln, ein Uratom derDichtung ist. Beide Darstellungen überschritten nicht dasgewohnte Zeitmaß eines Theaterabends. Der zweite Theilwürde den dritten Abend ausfüllen. Hier kann selbstver-ständlich nur ein Kaiserschnitt helfen.
Noch mehr bei der Darstellung als bei der Lectüredrängt sich dem Aufmerkenden der Parallelismus beiderTheile auf. Die klassische Walpurgisnacht steht der roman-tischen; das Gespräch Mephisto's mit dem Baccalaureusdem Gespräch mit dem Schüler gegenüber; das Masken-gedränge in dem Saal des Kaisers entspricht der auf- undniederwogenden Menge der Spaziergänger am Ostersonn-tage. Ich weiß nicht, ob ich Gleichen mit Helena ver-gleichen darf; aber in der Liebe Faustens zu Gleichen istoffenbar die Leidenschaft der Jugend, die Neigung desHerzens; in seinem Verhältniß zu Helena die Erregungder Phantasie, die seelische Begeisterung des Mannes, diegeistige Wahlverwandtschaft des deutschen und hellenischen
Frenzel, Dramaturgie. II. 12