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Heiligen entfernt sich soweit von unseren Anschauungenund Gedanken, daß sie uns weder beruhigt noch rührt.Stände Faust wie Calderon's wunderthätiger Magus imBann der katholischen Lehre, so würde die Erscheinungder Himmelskönigin auch für uns, die Ungläubigen, wenig-stens als ein poetisches Wunder Gültigkeit haben. AberFaust ist ein Kind der Reformation und Goethe selbstglaubt nicht an die heilige Jungfrau. Seine Engel sindAmoretten, sein Later 86rax>llieu8, sein Later ^rotunckim,sein Oootor Nnrimras sind poetische Spielereien, die nichteinen warmen Lebensfunken in sich tragen. So bleibtder Zuschauer, der doch eben nicht aus seiner Welt desneunzehnten Jahrhunderts heraus kann, einem Räthselgegenüber halb gelangweilt, halb unbefriedigt sitzen. Wirsühlen wohl, daß ein Geist wie der Faustens nicht wegender Schuld, die er in seinem irdischen Dasein begangenhat, für ewig verdammt sein kann, daß er niemals denverneinenden Kräften angehört hat und angehören wird,sondern im höheren Sinne „gerettet" ist. Nach dem altenGlauben indessen ist er ein arger Sünder, mehrfach mitBlutschuld belastet, ohne Reue und Buße gestorben; dieErmordung Philemon's und der Bancis schreit gegenihn zum Himmel — wie vermag irgend ein himmlischerSpuk ihn aus den Krallen der Teufel zu erlösen? Hierhätte nur das Eintreten des „Herrn", der diesen unausge-sprochenen Gedanken unserer Brust gegenüber einem soreichen und wildbewegten Menschenschicksal zum harmonisch-sten Ausdruck gebracht hätte, helfen und den Zwiespalt inuns lösen können. Dies ist nun leider nicht geschehen.Wenn Carriere in seinem trefflichen Faust-Commentarsagt: „Das ewig Weibliche, die beglückende und sich hin-