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[Zweiter Band]
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wird, daß es ihr gefallen muß — dem einen Theil derGäste aus tiefster Ueberzeugung, dem anderen aus Höflich-keit. Die Frage aber, welchen Einfluß die Musikdichtung„Der Ring des Nibelungen" auf die Gestaltung und Ent-wickelung der deutschen dramatischen Kunst und des Theater-wesens haben wird, ob sich überhaupt dieses Werk alsGanzes auf unseren Bühnen einbürgern und im Gemüthunseres Volkes Wurzel schlagen wird — diese Frage löstweder das Gelingen noch das Mißlingen der BayreutherVorstellungen. Dazu bedarf es einer ganz anderen Feuer-probe, als eine Festversamrülung von fünfzehnhundertEnthusiasten und Müßiggängern, von Directoren, Kapell-meistern und Kritikern sie anzustellen vermag.

Ein schwärmerischer Verehrer Richard Wagner's hatteden „Ring des Nibelungen" nicht nur für das größteKunstwerk aller Zeiten und Völker erklärt, sondern es auchals seine feste Ueberzeugung ausgesprochen, daß mit derAufführung dieses Werkes in Bayreuth die Entwickelungder Weltgeschichte abgeschlossen sei. Nun bekenne ich gern,daß ich als skeptischer Philosoph diese letzte gewaltigeWirkung — den Abschluß der Weltgeschichte — von vorn-herein nicht von diesen Aufführungen erwartete; ich wußteim Gegentheil, daß nach denselben Alles im Himmel undauf Erden auf dem Punkte stehen werde, auf welchem esvorher gestanden hat; daß sogar trotz der „Götterdämmerung"der serbisch-türkische Krieg und die orientalische Frageweiter gehen würden. Aber eins glaubte ich nach denVersicherungen der Freunde des Meisters erwarten zudürfen: die tadellose Vorführung eines tadellosen Werkes,eine erlauchte, so noch nicht dagewesene Versammlung.Dem Leser, den ein Buch fesselt, ist es durchaus gleich-