201
noch Gounod erschienen waren, ist nach der Meinung derWagnerianer durchaus erklärlich: sie waren hier in ihresNichts durchbohrendem Gefühle zusammengesunken. DaRichard Wagner indessen eben so groß als Dichter wieals Componist ist, ersetzten vielleicht die Dichter die fehlen-den Componisten? Ach! da war weder Karl Gutzkvw nochBerthold Auerbach, weder Gustav Freytag noch VictorScheffel, kein Emanuel Geibel und kein Paul Heyse, keinSpielhagen, der hier eine Fülle von Begebenheiten undFiguren zu einem modernen Roman gefunden hätte. So-viel ich übersehen kann, waren drei deutsche Dichter, freiund ledig, in Bayrenth zugegen: Friedrich von Bodenstedt,Ernst Dohm und der Ritter von Mosenthal; alle übrigenSchriftsteller waren im Zwang einer schweren Pflicht nachBayrenth gepilgert. Am stattlichsten sah die Malertafelaus: da saßen Hans Makart und Heinrich Angeli ausWien, Adolf Menzel, Anton von Werner, Karl Becker undPaul Meyerheim aus Berlin, Franz Lenbach aus München,Schauß aus Weimar. Die Schauspielkunst hatte keinenLiebhaber, aber Heroinen und Liebhaberinnen geschickt;Frau Marie Seebach aus Dresden, Fräulein Clara Ziegleraus München, die Damen Marie Keßler und Clara Meyeraus Berlin — ich will großmüthig sein und Frau HedwigNiemann nicht als die treue Gefährtin ihres Mannes, son-dern als begeisterte Verehrerin Waguer's mitzählen. Diebeiden größten deutschen Charakterspieler unter den Jüngeren,der düstere Joseph Lewinsky und der aufbrausende RichardKahle, sahen mit sehr verschiedenen Gefühlen dem Wagneri-schen Weltuntergänge zu. Am merkwürdigsten nahm sichdie Bank der Geschworenen aus. Niemals waren so vielkluge, kritische, meinetwegen boshafte Köpfe zusammen-