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gärige, seine Auffassung der Liebe hat etwas unsagbarUngesundes. Senta im „fliegenden Holländer" liebt einGespenst; „Tannhäuser" liegt in den Banden einer Teu-felin, Elsa liebt in „Lohengrin" eine sehr problematische,auf der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit stehendeGestalt. Magnetismus und Liebestränke müssen die natür-liche Bindung der Geschlechter vermitteln. Ueberall maß-lose Neigung ohne ein harmonisches Auskliugen, scheinbareine tolle Steigerung der Begierde, hinter der sich, wie imletzten Akt von „Tristawnnd Isolde", nur die Ohnmachtverbirgt. Nirgends eine sittliche Schranke gegenüber derSinnlichkeit. Nicht genug, daß Siegfried der Sage nachBrünnhilde für Günther gewinnt und so die Ahnungsloserecht in der Seele ihrer Seele unheilbar kränkt; bei Wag-ner muß Siegfried Brünnhilde lieben und sein eigenesWeib für einen Fremden besiegen und kuppeln. Siegmundund Sieglinde in der „Walküre" sind nicht allein Geschwister,die sich in wilder Liebesleidenschaft umarmen, sie müssenauch Ehebrecher sein. Die Sage vermag diese Dingenicht zu entschuldigen: warum nimmt sie der Dichter auf,wenn er nicht ein Wohlgefallen an solchen Ungeheuerlich-keiten findet? Indem er ihr den leidenschaftlichsten Aus-druck verleiht, steigert er nicht nur ihre Unsittlichkeit, sondernflößt der kalten und bedeutungslosen Thatsache von derverbrecherischen Liebe zweier Geschwister, wie sie die Eddamit harmloser Naivetät erzählt, erst das verzehrende Giftder Lüsternheit ein. Seine Musik reizt, sie befriedigt nicht;in denen, die dafür empfänglich sind, wühlt sie alle Ner-ven auf, aber sie ist nicht im Stande, dieselben wieder zuberuhigen. Sie vergießt Thränen der Aufregung und derOhnmacht, aber sie ist nicht im Stande weder Thränen