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[Zweiter Band]
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im Gegentheil, was verborgen bleiben sollte, aufdeckt, mögendie Musiker entscheiden. An vielen Stellen würde unzweifel-haft das gesprochene Wort von viel mächtigerer Wirkungsein, als das gesungene. Der singende Wotan ist z. B.eine traurig schemenhafte Figur, sein Gesang von einerermüdenden Eintönigkeit: von einem großen Schauspielervorgetragen, würden seine Reden noch einmal so tief greifen,würde sich die ganze Gestalt erst zu ihrer wahren Be-deutung erheben. Ein Gott, der Philosophie singt, istein zwiefaches Unding auf der Bühne.

Die barocke Sprachform, in die Wagner sein Werkgekleidet, der man nur zu oft das Gesuchte und Ausge-klügelte anmerkt, wird, wie ich fürchte, der Dichtung immerhinderlich sein, im besten Sinne des Worts volksthümlichzu werden. Wagner mit seinen Stabreimen und Allitera-tionen ist kein Künstler, sondern ein Verderber der Sprache;er redet nicht, er stammelt. Indem wir ein Schiller'schesGedicht, den Goethe'schen Faust lesen, prägen sich dieseVerse unwillkürlich dem Gedächtniß ein; es kostet kaumeine Anstrengung, sie auswendig zu lernen, so voll Wohl-laut und Schönheit sind sie.' Umgekehrt erfordert es einenicht geringe Anspannung des Geistes, den „Ring desNibelungen" nur zu lesen und sich über den grausamenKnüppeldamm dieser Wort- und Satzformen fortznarbeiten.Ein wahres Eigenthum, ein dauerndes, unvergängliches,können aber einem Volke nur diejenigen Werke werden,die seine Sprache mit vollkommener Meisterschaft, Durch-sichtigkeit und Sonnenhelle reden.

Das Wagner-Theater war in der ausgesprochenenAbsicht aufgeführt worden, dem Publikum Mustervorstel-lungen zu zeigen. Ungehindert von Intendanten und Direc-