Band 
[Zweiter Band]
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Bayreuth, ein chinesisches Schattenspiel. Jeder sieht mitleiblichen Augen die Esche als die Säule des Alls; Jedersieht, daß eine That in Nibelheim geschehen, sich fortschwin-gend bis nach Walhalla fortsetzt, und erkennt, daß dasselbeGesetz der Nemesis Götter und Helden, Riesen und Zwergebindet. Die moderne Opernbühne, mit weiten Prospeetenund leeren Räumen, mit beständig wechselnden Dekorationenist nicht im Stande, einen solchen zusammenfassenden, feier-lichen und erhabenen Eindruck hervorzubringen. Statt eineseinheitlichen Mysteriums hat man uns denn in Bayreuthauch nur vier Zanberopern vorgespielt; die verschwenderischeAusstattung trägt nicht wenig dazu bei, die einzelnen Stückenoch mehr voneinander zu sondern und ihren Zusammenhangzu zerreißen.

Die Kostüme sind von dem Professor Döpler entworfen,sie sind eigenthümlich, original und in der Massenwirkungaußerordentlich malerisch. Wer, es sei nebenbei bemerkt,überhaupt erfahren, mit welch' rückhaltloser, nie ermüdenderHingabe dieser ausgezeichnete Künstler sich dem BayreutherUnternehmen gewidmet hat, der wird ihm einen großenAntheil daran zuschreiben, daß es zu Stande gekommenund zu einem halbwegs glücklichen Ausgang geführt wor-den ist. Eine Schwierigkeit freilich konnte der Maler,der Archäolog und Kostümknndige nicht überwinden: erweiß eben so wenig wie ich, wie die Götter des Nordensausgesehen haben, er kann ebenso wenig wie ich charakte-ristische Symbole für sie erfinden. Die nordischen Göttersind Nebelgestalten, kein Phidias hat sie in Elfenbein undGold, kein Praxiteles in Marmor, kein Apelles in Farbendargestellt. Zweifellos sind die Kostüme, die DöplerWotan und Froh, Freia und Fricka anzieht, altgermanisch,