276
und eine häßliche Natur war. Der Beifall, den seinHeinrich in „Lorberbaum und Bettelstab", in so über-triebenem Maße, fand — freilich war die Leistung einVirtuosenkunststück, nur daß wohl die Meisten mehr anden wahnsinnigen Bettler, als an den idealistischen Dichterin Dawison's Darstellung glaubten — dieser Beifallführte ihn auf die abschüssige Bahn. Zwischen den Heldender Tragödie und diesen Figuren des gesellschaftlichenLebens liegen jene vier Gestalten, nach deren Auffassungund Verkörperung wir Berliner, noch aus den TagenSeydelmann's her, gern unser Urtheil über einen Schau-spieler abmessen: Carlos in „Clavigo", Alba in „Egmont",Marinelli in „Emilia Galotti", Franz Moor in den„Räubern". Dawison hat nicht vermocht, die BewundererSeydelmann's in diesen Rollen zu befriedigen; sie ver-mißten vor Allem die Schärfe des Verstandes, die feineAusarbeitung der Rede, die vornehme Ruhe der Haltung,die Seydelmaun in den drei ersten Rollen ausgezeichnet.Zum Marinelli fehlte Dawison auch für mein Gefühldas eigentlich Hofmännische, er wechselte zwischen Kriechereiund mephistophelischer boshafter Ueberlegenheit, an letztererkrankte auch sein „Perin" in „Donna Diana", der dochnur ein lustiger Gracioso sein soll. Sein Carlos wurdedurch den realistischen Trieb, diese ein wenig fleischloseFigur — im Grunde ist sie ja nur der verkörperte Ver-stand — zu einer individuellen Erscheinung zu formen,zu unruhig und schwankend. Dawison's Franz und Albadagegen waren durchaus original und bedeutsam; daßwir später in Lewinsky den eigentlichen, den geborenenFranz Moor gesehen haben, thut seinem Vorgänger keinenEintrag.