Band 
[Zweiter Band]
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Auf jede Rolle des großen Künstlers hier auch nur an-deutend einzugehen, wäre unmöglich, aber die Frage trittauf: welche Stellung nimmt Dawison in der Entwickelungunserer Schauspielkunst ein? Dies ist gewiß: in ihmwar etwas Meteorartiges, das für sich allein, ohne Vor-gänger und Nachfolger, dasteht. Eine realistische Schule,im Gegensatz zur idealistischen, deren Wurzeln in Weimarnoch von Goethe's Leitung her liegen und die noch immer,wenn auch nur in dürftigen Zweigen, fortblüht, hatDawison nicht gestiftet. Seine Weise ließ sich so wenigwie die Shakspeare's übertragen. Es gehörte eben, wasdem Schüler nicht zu geben war, sein Auge und seinePhantasie dazu. Insofern werden wir niemals seinesGleichen sehen. Anders stellt es sich mit der Anregung,die von ihm ausgegangen ist. Einen unvergänglichenSchatz hat er uns da hinterlassen. Nicht zu ermessen ist,in die Seelen wie vieler Künstler, Jünger und Zuschauersein Spiel „eine Feuerflocke Wahrheit" geworfen hat.Solch' ein gewaltiges Beispiel ist unverloren, seine Ein-seitigkeit schleift sich allmählig ab, nachwirkt nur seinewahre Größe. Ueberall, bei den jüngeren strebendenTalenten sehen wir das Ringen, zur Darstellung desEigenthümlichen, Individuellen zu gelangen, den hohenKothurnstil mit frischer Natürlichkeit zu beleben. Täuschenwir uns doch nicht: gerade wie die klassische Tragödieder Franzosen vor dem Auftreten der Rächet, ist auchunsere klassische dramatische Dichtung in gewisse unab-änderliche Formen der Darstellungsweise eingezwängt. Siedaraus zu befreien, ist die Aufgabe. Mit Shakspeareist es Dawison, mit einzelnen Gestalten, wie Clärchen,Gleichen, Luise Millerin, Desdemona, Marie Seebach