Band 
[Zweiter Band]
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menschlich näher. Aus dem untersten Stande, den Acker-bauern des Landes, tauchte sie auf, in ihnen erweckte siedie Vaterlandsliebe, die Religion des Königthums: siewar etwas wie ein Wunder, aber ein durchaus volks-thümliches Wunder.

Schiller wußte von dieser Johanna aus den damalsbekannten und ihm zugänglichen Quellen nichts; seinerNatur, der Stimmung der Zeit nach, hätte er sie auchnie von diesem Gesichtspunkte aus anschauen und darstellenkönnen. Aber Clara Ziegler erinnerte mich in ihrerDarstellung der Johanna am Mittwoch, den 25. Mai1870, auf das Lebhafteste daran. Vom Schßitel zurSohle eine Heroine, nicht nur äußerlich in dem prächtigenrothen goldgestickten Wappenrock mit dem glänzenden Har-nisch und Helm, dem lang nachslatternden schwarzen Haar,sondern auch in ihrer kriegerischen Begeisterung, mit dem„Donnerkeil im Munde". Alles, was nach dieser Seitehin in theatralischer Weise wirken kann, weiß sie, bei derUeberfülle ihrer Mittel, oft verschwenderisch anzuwenden,der romantische Eindruck des Ganzen ist dem nicht un-ähnlich, den Hermann Hendrichs in ähnlichen Rollenhervorbrachte. Mit dem von Schiller Gewallten, mit derso eigenthümlich ergreifenden, kindlich tiefsinnigen Gestalt,welche die verstorbene Herzogin Marie von Orleans derJungfrau in ihrer bekannten Statue gegeben, hat dieDarstellung der Künstlerin wenig Gemeinsames. DerAusdruck des Visionären und Aetherischen ist ihr, trotzdes leidenschaftlich bewegten Mienenspiels, versagt. Daßsie die entsprechenden Stellen der Dichtung sanfter flötet,nicht immer, ohne die Gefahr des Singens zu vermeiden,kann diesen Mangel nicht ersetzen: im Gegentheil, sie