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erweckt dadurch nur den Verdacht des Angelernten. Istes möglich, daß eine von ihrem Gott ergriffene Seherin,die „prächtigströmende Loire" im wechselnden Tonfallmalt? Daß sie im Ernst vor dem burgundischen Herzogihre Stimme znm Donner anschwellen läßt, um ihm gleich-sam sinnlich zu zeigen, daß sie einen „Donnerkeil imMunde" führt? Die Strophen des Abschiedsmonologsim Vorspiel werden mit aller rhetorischen Kunst, die ihrzu Gebote steht, ausgestattet, mit den buntesten Schnörke-leien und Arabesken geziert und überladen, so daß amEnde das entscheidende Wort, die Beglaubigung derOffenbarung:
„Ein Zeichen hat der Himmel mir verheißen,
Er sendet mir den Helm, er kommt von ihm" —
gar nicht zur Geltung kommen konnte; diese Strophenindessen sind in einem gewissen Dümmer, mit heiligerScheu zu sprechen, Gott redet ja aus den Zweigen des Feen-baums; ein Gemisch von Verzückung, Mystik und Schauerliegt in diesen Versen; der helle Klang der Schlacht-drommeten ist die Befreiung aus diesem Traumleben.Ueberall ein Vorwiegen des Rhetorischen und Theatra-lischen: von den Elementen, welche die Jungfrau in denbeiden ersten Akten erfüllen und beseelen, kommt nur derkriegerische Heldenmuth zum Durchbruch; die schwärmerischeHingabe an den angestammten König, die Verklärungfehlen. Erst, als bei dem Anblick Lionel's ein neues,naturalistisches Motiv, die Liebe, in Johanna ausbricht,wird die Darstellung belebter und ausdrucksvoller. DenKampf mit dem englischen Ritter, ihr Erschrecken vor ihm,die aufflammende Leidenschaft, das Schuldbewußtsein hatdie Künstlerin glücklich geschildert. Der Monolog des
Frenzel, Dramaturgie. II. 22