Band 
[Zweiter Band]
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vierten Aktes bot ihr dann die glänzendste Gelegenheit,nach so vielen Stürmen auch einmal den elegischen Klangihres Organs auf und nieder spielen zu lassen. IhrOrgan ist für sie eben die Leier, deren Saiten sie baldals Orpheus rührt, bald als Bacchantin durchstürmt.Im Ganzen: eine durch äußerliche Mittel anziehendeLeistung, der die Seele und Tiefe der dichterischen Gestaltfehlen.

Zwischen den Pflichten ihres königliches Amtes, ihrerein- und angebornen Herrschergewalt und ihrer Liebe undEifersucht hin- und herschwankend, bietet Laube's KöniginElisabeth in seinem Trauerspiel „Graf Essex", dasam Freitag, den 27. Mai 1870, aufgeführt wurde,einer tragischen Schauspielerin Gelegenheit zu einer er-greifenden, in dem jähen Wechsel der Stimmungen baldrührenden, bald erschütternden Darstellung. Das Farb-lose und Kalte des Laube'schen Stils kann sich im Spielder Künstlerin erwärmen und erhellen, das Aeußerlichean Wahrheit und Innerlichkeit gewinnen: mit einem Worte,der schauspielerischen Kunst ist hier nach der Seite desCharakteristischen ein freierer Raum gegönnt, als in derDarstellung der Schiller'schen Jsabella oder Johanna, dienicht, ohne Schaden an ihrer Seele zu nehmen, aus ihreridealen Sphäre herausgerissen werden können. Laube'sRealismus verträgt eine derbere Verkörperung. Und inder Maske und im Kostüm war Clara Ziegler währendder ersten beiden Akte von geschichtlicher Realität, der Ein-druck ihrer Erscheinung malerisch und bedeutsam. Warumsie in den späteren Aufzügen dies Kostüm aufgab und ineinem beinahe modern zugeschnittenen weißen Atlaskleidemit einer rothen Sammetjacke darüber erschien, ist mir