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Und auch die stattliche Erscheinung widerspricht wenigstensin dieser Rolle nicht unserer Vorstellung; Molisre's Elmire,Lessing's Minna von Barnhelm würden ihr nicht passen,aber Moreto's Diana mit ihrer Schwärmerei sür denStaat der Amazonen darf in Haltung und Gestalt schonetwas Heldisches haben. Aber die Künstlerin hat sich, meinerMeinung nach, in der Auffassung der Rolle vergriffen.Sie giebt der Donna Diana das Wesen und Gepräge einermodernen Salondame; nicht die spröde Jungfräulichkeiteines Mädchens, das kokette Spiel einer erfahrenen Frautritt hervor. Moreto's Diana weiß nichts von der Liebe,will nichts von ihr wissen und geht in den Kampf gegenDon Cesar unbewußt der Gefahren, die ihr drohen. ClaraZiegler scheint die spanische Prinzeß in dieselbe Liniemit der Gräfin Autreval in Scribe's „Frauenkampf" zustellen, aber der Unterschied liegt klar. Die Gräfin isteine vornehme Weltdame im Alter der Balzac'schenFrauen, die mit einem jungen Mädchen um das Herzeines Mannes kämpft. Die spanische Diana dagegen istnicht älter, als ihre Muhmen; sie hat, im Scherz zu reden,nur einen Span zu viel im Kopfe, sie ist grillenhaft undeigensinnig. Bisher ist die Herbigkeit und Zurückhaltungihres Wesens, ihre vornehme Kälte gegen die Männer nochniemals ernstlich angefochten worden, gleich bei ihrenersten ablehnenden Worten haben sich die Freier zurückge-zogen. Sie will nicht heirathen, weil keiner der Bewerber,so viele ihrer auch gekommen sind, ihr Herz gerührt hat.Diese Laune hat sie zu einer Art philosophischen Systems er-hoben, mit dem sie sich zugleich vor ihrem Vater und denFreiern ein gewisses Ansehen geistiger Ueberlegenheit giebtund Ruhe vor allzu ungestümen Huldigungen verschafft. In-