346
dem Cesar auf ihre Grille eingeht und sich hinsichtlich derFrauen auf denselben Standpunkt stellt, den sie den Männerngegenüber einnimmt, reizt er ihre Eitelkeit und ihre Gefall-sucht, Trotz steht wider Trotz. Unbewußt zunächst empörtsich das Weib in ihr gegen den Mann, der nie ein Weiblieben zu können schwört. Mit einem wohlüberlegten Spielbeginnt Donna Diana den Kampf, und die Entwickelungihres Wesens liegt darin, daß allmählig die LeidenschaftCesar's auf sie übergeht; daß sie, die Kalte, heftiger undwilder, als er, der immer Liebende, von der Flamme er-saßt wird; daß sie, nicht er, die Würde der Haltung unddie Selbstbeherrschung verliert. Diesen so lebenswahrenjungfräulichen Charakter setzt Clara Ziegler zu einer kokettenDame mit kleinen „Minauderien" und „Avancen" — hierthun es in der That nur die Fremdwörter — mit tänzelndenBewegungen und schmachtenden Blicken herab. Dies wunder-liche Spiel im Verein mit Moreto's Versen macht zuweileneinen grotesken Eindruck. Dem Ganzen läßt sich die Munter-keit nicht absprechen, aber es ist weder spanisch noch natürlich.Die Vorzüge wie die Mängel Clara Ziegler's kommenin allen ihren Darstellungen immer dieselben, mit einerArt Nothwendigkeit, zum Vorschein. Eine ungewöhnlicheBegabung, der jede Zügelung durch den Gedanken sehlt,einzig und allein auf das Komödiantische gerichtet, so inder Deklamation wie in der Geberde. Wenn Clara Zieglerhoch aufgerichtet schweigend in prächtigen schweren Ge-wändern da steht, ist sie eine großartige Statue; wenn sieSchiller'sche Verse spricht, ist sie ein Klavier, von einemVirtuosen gespielt — aber die Statue hat keine Empfindungund das Klavier keinen Geist.