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Einesto Kossi.
1874 .
Mehr als zwei Jahre sind es her, daß im Spät-herbst des Jahres 1871 das Berliner Publikum zumletzten Male den „süßen toskanischen Laut" von dertragischen Bühne her vernahm. Damals bewundertenwir die noch in ihren Trümmern klassische Schönheit,das noch in seinem Sonnenuntergange bedeutsame Talentder Signora Adelaide Ristori, heute tritt uns in SignorErnesto Rossi gleichsam das männliche Element deritalienischen Schauspielkunst in seiner Kraft und Origi-nalität entgegen. Nicht nur seine Landsleute, auch dieDeutschen, die ihn auf dem italienischen Theater gesehen;das große und für theatralische Eindrücke besondersempfängliche Publikum Wien's loben ihn einstimmig alseinen großartigen Darsteller Shakspeare's, obgleich dochzwischen dem, was Shakspeare mit seinem Othello, Hamlet,Lear, Shylock geben wollte und dem, was der romanischeSchauspieler allein darstellen kann, eine nicht auszufüllendeKluft besteht. Einseitige Bewunderer, welche die Tiefedieser Gegensätze nicht zu schätzen wußten, hatten derSignora Ristori eingeredet: sie müsse als Lady Macbethunübertrefflich sein. Die große Schauspielerin wagte imJahre 1862 auf unserer Hofbühne den Versuch; eine all-gemeine Enttäuschung war die Folge. Der mimischeTheil der Nachtwandlerscene, ihr Benehmen bei der großenGastmahlsscene waren tadellos und dem weit überlegen,was die meisten deutschen Schauspielerinnen darin zuleisten vermögen; die Seele der Lady Macbeth aber, die