Band 
[Zweiter Band]
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aus den Worten des Dichters durch den Ton, die Stimmeder Künstlerin zu uns reden, uns ergreifen, erschüttern,erstarren machen soll, kam nicht zum Ausdruck. SignoraRistori declamirte vortrefflich, mit allen möglichen Druckernund rhythmischen Tonfällen, aber nicht annähernd traf siedas Dämonische der Gestalt. Aehnlich verhält es sich,meiner Empfindung nach, mit dem Othello des SignorErnesto Rossi, den er uns am 21. April 1874 imVictoria-Theater vorführte. Zunächst freilich hat mannicht Shakspeare's Tragödie vor sich, sondern eine Zu-sammenziehung des Trauerspiels nach dem klassisch-akade-mischen Schema. Nicht nur die Triukscene des zweitenAktes ist arg zusammengedrängt, nicht nur fehlt Biancaganz: aus dem dritten Akt ist auch die Taschentuchscenezwischen Othello und Desdemona gestrichen — bei denItalienern schließt der dritte Akt mit dem gegenseitigenSchwur Othello's und Jago's (Scene 3 des Originals) —,im vierten fehlt die Entkleidungsscene Desdemona's mitEmilien; dafür tritt Desdemona im fünften Akt auf,hält einen Monolog, in dem sie das Lied von derWeide declamirt, und streckt sich vor unseren Augen aufdas Lager nieder. - Daß die Nebenrollen Rodrigo'sund Cassio's auf das Aeußerste beschränkt sind, ist selbst-verständlich; aber auch Jago verschwindet mit dem Endedes dritten Aktes beinahe ganz von der Bühne. DenTerenz Pflegte Julius Cäsar einen halbirten Menanderzu nennen; was wir hier vor uns haben, ist ein gevier-theilter Shakspeare.

Das Erste, was an Ernesto Rossi auffällt und un-bedingt für ihn einnimmt, ist die außerordentliche, virtuoseAusbildung der Mimik. Seine Züge, seine Bewegungen