Band 
[Zweiter Band]
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sprechen; wunderbar scharf und bestimmt schließen sie sichden Worten an, ja eilen ihnen zuvor und sind der leben-digste, unmittelbarste Ausdruck seiner Stimmungen, seinerEmpfindungen. Diese Bewegungen sind nicht immer edel,aber schnell und lebendig; das Gesicht verzieht sich zu-weilen zum Häßlichen, aber es bleibt ausdrucksvoll undbewegt. Dagegen erscheinen denn freilich die deutschenSchauspieler, als hätten sie Masken vor dem Antlitz.Die Sprache behandelt Rossi nicht mit der gleichen voll-endeten Künstlerschaft; neben Einzelheiten, die — vomStandpunkt seiner Spiel- und Auffassungsweise betrachtet— vortrefflich waren: so die schöne Rede: „Fahr' wohl,des Herzens Ruh! Fahr' wohl, mein Friede!" — fielenandere ganz ab, so die Rede vor' dem Senat, die eranstatt an den Dogen breit hinein in's Publikum richtete;so die befehlenden Worte, mit denen er den Tumult inCypern beschwichtigt. Steigt man von diesen Aeußerlich-keiten tiefer in das Wesen der Rolle, so muß selbstver-ständlich die Volksnatur des Künstlers berücksichtigt werden.Der Italiener empfindet Liebe, Eifersucht, Rache brennen-der, sinnlicher als wir: er grübelt nicht darüber, er ver-tieft sich nicht darin. Wir Nordländer sind im Gegentheilgeneigt, dem inneren Proceß der Leidenschaft, der innerenZerstörung eines Charakters auch in der schauspielerischenDarstellung vor dem grobsinnlichen Ausbruch den Vorzugzu geben. Möglich, daß ich mich täusche; als ich aber,nach Hause gekommen, noch unter dem Eindruck desRossi'schen Spiels, Shakspeare's Othello vornahm unddie entscheidenden Stellen der Rolle durchlas, war es mirklar, daß diese Tigersprünge, dies Augengerolle, dies Er-würgen, dies Zähnefletschen, dies Halsabschneider: wohl