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den Mohren in Giraldi Cinthio's Novelle, aber nun undnimmermehr Shakspeare's Othello charakterisiern Rossi'sOthello fehlen zwei Elemente: die Gemüthsinnerlichkeitund die äußere Ritterlichkeit. Das tiefe Weh, das ererleidet; die Welt von Schönheit und Glück, die ihm zer-stört wird; der Schmerz, der ihn zerreißt — wir sehen,wir empfinden nur wenig davon. Er erregt uns Schrecken,aber nur geringes Mitleid — dasselbe Mitleid, das wirmit einem verwundeten Tiger, nach der Schopenhauer'schenTheorie haben sollen. Aber daß hier ein edles, groß-müthiges Herz auf den Tod verwundet wird: das ist einGedanke, der mir wenigstens nicht gekommen ist. Werjemals Dessoir vor dem Senat hat reden hören; werjemals Dawison mit einer unvergleichlichen Geberde derVerachtung und des Schmerzes zugleich Emilien die Börsehat zuwerfen sehen, der muß sich sagen: das allein warendie Züge des echten Othello. Der Schwerpunkt derRossi'schen Darstellung liegt im dritten Akte: hier hat ereinen wilden großartigen Zug. Schon bei der Warnungdes Vaters im ersten Akte:
„Sei wachsam, Mohr! Hast Augen Du zu sehn,
Den Vater trog sie, so mag's Dir geschehen! —
blitzt es unheimlich über sein Gesicht. Dies Mienenspielist nun bei den Reden Jago's von dem Künstler zu einerin ihrer Art einzigen Virtuosität ausgearbeitet worden;man sieht, möchte ich sagen, jedes Wort Jago's sich indem Antlitz dieses Othello wiederspiegeln; man gewahrtalle Wandlungen in dem seelischen Kampfe des Mannes,der sich vor der Umschlingung durch das Scheusal Eifer-sucht zu retten sucht. Gewiß kommt Rossi das lebhaftereGeberdenspiel, das hitzigere Temperament des Italieners