Band 
[Zweiter Band]
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Um die rührendsten und ergreifendsten Vorgänge undFiguren breitet er seine Kenntnisse, seine Gedanken undgenialen Einfälle wie einen schweren Purpurmantel. Dieeinfache Schönheit der Gestalt verschwindet darum, fürdas Auge des großen Publikums, zu häufig unter derKostbarkeit der Gewandung.

Wie für Shakspeare und Schiller ist auch für Kleindie Geschichte die reichste Fundgrube seiner Dramen ge-wesen. Nicht sowohl auf die Darstellung eines einzelnenMoments, als auf die dramatische Gestaltung eines ganzenZeitabschnittes geht er aus. In „Maria Medici", „Luynes"und „Richelieu" entrollt sich das Bild der französischenZustände in den Jahren 1610 bis 1642; „Strafford"schildert die ersten Gegensätze zwischen Karl I. Stuar,und seinem Volke, die zehnjährige Herrschaft des absolutenMinisters, den Zusammensturz seiner Macht durch das langeParlament; „Zenobia" hat nicht nur den Kampf zwischenRom und Asien zum Hintergrund, auch das Christenthumund die neu-platonische Philosophie sind mit in das Dramahineingezogen, der Dichter versucht die ganze Signaturdes Zeitalters zu geben. Aus den faulen und wüstenZuständen des byzantinischen Reiches unter Justiman er-hebt sich „Heliodora"; der Gegensatz einer frechen, ver-brecherischen Bnhldirne und Tänzerin und eines ehr-liebenden Jünglings, welcher den dramatischen Kern desGanzen bildet, ist auf das Innigste mit diesen Schilde-rungen verbunden. In „Maria" erscheint das Verhältnißzwischen Otto III. und der Gattin des Crescentins nurals Symbol der Beziehungen zwischen Deutschland undItalien. Die Verlassenheit der ewigen Stadt, die Streitig-keiten der Parteien, die mächtigen Barone, die sich be-