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In den Fabeln romantische Anklänge und Erfindungen;mit Geistererscheinnngen und Verkleidungen in den Tra-gödien; mit wunderlich grotesken Zügen in den Komödien;in den Gestalten etwas von dem Schwung, der Gewaltigkeitund Uebertreibung Michel Angelds. Nach der heroischenSeite hin möchte ich unter ihnen den Frauen den Vorrangeinräumen. Selten ist „die Furie und die Sirene" Liebein einem Weibe ergreifender geschildert worden, als inHeliodora. Ihre entsetzlichen Thaten büßt sie noch ent-setzlicher in der Verzweiflung des eigenen Herzens. DieHoheit der Fürstin, der überlegene Geist, ein starker könig-licher Wille tritt uns in Zenobia entgegen. Wie geschickthat der Dichter das Mannweibliche in ihr durch die Liebezu ihrem Sohne zu mildern gewußt! Maria Medici, dieKaiserin Adelheid, die Königin Agnes haben die stattlicheWürde, die Strenge und Hoheit erlauchter Frauen. EinGlorienschein der Entsagung verklärt die Häupter Maria'sund Lucia's. Diese beiden Gestalten lassen sich an Süßig-keit, keuschem Reiz und einer eigenthümlich mystischenSchwärmerei nur mit den schönsten, in Verzückung himmelangetragenen Modonnen Murillo's vergleichen. Die ganzeScala des Schmerzes, den ein weibliches Herz empfindenkann, klingt in diesen Dramen wieder: von dem Verlust desGeliebten, der ein junges, eben znr Jungfrau erblühendesMädchen trifft; bis zu der Verzweiflung, die im Unter-gang ihres Reiches bei der Gefangennahme ihres SohnesZenobia zu Boden wirft; die bei dem Anblick ihres ermor-deten kaiserlichen Vaters die Königin Agnes zusammen-brechen läßt. Nicht minder glücklich schildert der Dichterden Ernst, die Würde und Ruhe des gereiften Alters; diePhilosophen in der „Zenobia", die Geistlichen in „Maria",
Frenzel, Dramaturgie. II. 24