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eine norddeutsche Schöpfung. Der Hainbund und die Klop-stockischen Oden quellen ebenso sehr aus norddeutschemWesen, wie Sturm und Drang in Süd- und West-Deutsch-land wurzeln. Alle hervorragenden Geister und Dichter derromantischen Schule, bis auf Brentano, sind Norddeutsche;beinahe könnte man die Romantik, in Hinblick auf Tieck,Kleist, Arnim, eine märkische Erfindung nennen. Geradedieser provinzielle Zug bringt in unserer Dichtung dieFrische, Mannigfaltigkeit und Ursprünglichkeit hervor.
Man thut Franz Grillparzer kein Unrecht, wenn manihn einen österreichischen Dichter nennt. Ja das Oester-reicherthum hat in ihm sogar eine gewisse Ausschließlichkeitangenommen, er ist ein echtes Wiener Kind. In einertrefflichen, das Material, so weit es bis jetzt vorliegt,erschöpfenden und vorurtheilslosen Skizze hat Emil Kuhin seinem Buche: „Zwei Dichter Oesterreichs" (Pest,G. Heckenast) diesen Zusammenhang zwischen der Stadtund dem Poeten, die Wechselwirkung, die sie auf einanderausübten, überzeugend dargestellt. „Hast Du", sagt Grill-parzer selbst in einem Gedicht —
„Hast Du vom Kahlenberg das Land Dir rings besehen,
So wirst Du, was ich schrieb, und was ich bin, verstehen."
Noch eigenthümlicher und anschaulicher stellt sich unsGrillparzer's Wahlverwandtschaft und Verwachsensein mitseiner Vaterstadt in der Novelle: „Der arme Spielmann"dar. Innerhalb der Basteien Wien's ist ihm das Lebenverronnen. Am 15. Januar 1791 ist er in Wien geboren,sein Vater war dort ein angesehener Advocat. Aber nachseinem vorzeitigen Tode waren bei geringem VermögenMutter und Geschwister auf die Thätigkeit und den Er-werb des ältesten Sohnes Franz angewiesen. So, mehr