377
größeren Hausstande waren, die ihn von der Ehe zurück-schreckten? In ihm lag eine dunkle Angst vor einersolchen dauernden Verbindung, vor dieser Verknüpfungzweier Wesen. In einem Gedicht „Begegnung", das1831 gedruckt wurde, schildert er ein liebreizendes Mädchenund schließt mit den bezeichnenden Worten:
„Doch vor dem milden ScheineTrat ich zurück, obgleich von Wünschen heiß,
Der leichte Kahn, wie schön trägt er die Eine —
Sprang' noch ein Zweites zu — wer weiß? wer weiß?"
Da er sich selbst der Leidenschaft und den Erschei-nungen nicht rückhaltlos hingab, wie konnte er je von ihr,von der Welt eine volle Befriedigung erwarten? Je älterer wurde, desto verdrießlicher zog er sich in sich selbstzurück. Ein Hagestolz, ein Einsiedler, den Ruhm ver-achtend und doch heiß begehrend, sah er gleichgültig Anderedie Bühne erobern, seine Dichtungen vom Literaturmarktverschwinden, er that nichts zur Herausgabe der neueren,nichts für eine neue Auflage der alten. Die Grillparzer'scheDichtung glich einem unzugänglichen Garten in einerWildniß und zugleich schien er es übel zu nehmen, daßdie jüngere Generation ihn nicht kenne. In seinenDistichen beklagte sich der alte Herr über den Undankund die Vergeßlichkeit der Deutschen, und sein Eigensinnwar es allein, der beide verschuldete. Nicht viel andersverhielt es sich mit dem Vorwurf, die deutsche Bühnehätte ihn zurückgesetzt. Von den zehn bis zu seinem Tode,am 21. Januar 1872, bekannt gewordenen Dramen wareins „Medea" beständig auf der Bühne geblieben, die„Ahnfrau" und „Sappho" erschienen bald hier, bald dortwieder nach ihren ersten mächtigen Erfolgen. Auf dem