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Frau von Stelln
nung gewonnen, ihr Bund werde auch diese Krisis überdauern. Siehatte ihm „goldene Worte" gesagt, er mit leidenschaftlichen Schwürentreuster Abhängigkeit dem „Schutzgeist" geantwortet, wie Liebende ein-ander beim nahenden Abschied noch fester umfangen. Aber die Rückkehrwar immer weiter hinausgeschoben, der nordische Reisende immer tieferin Genuß und Studium der Doppelwelt Italiens gebannt wordenund endlich zögernd, widerwillig, sorgenvoll zurückgekommen. Die ent-fremdende Wirkung weiter Reisen und langer Entfernung, eines gewohntgewordenen edelegoistischen Genusses und souveräner Freiheit in Lebenund Bildung machte sich im weitesten Maße geltend. Dem aufgeblühtenSinnenmenschen trat eine alternde, kränkliche Frau entgegen; das klingthäßlich, aber es ist so. Und nun bot er, was die „Madonna" und„Schwester" früher geboten: Freundschaft für Liebe. Tief verletzt durchseine Kälte, sein neues Verhältnis zu Christiane und die peinlich zwischenEntschuldigung und Anklage hin- und herschwankenden Briefe, zog siesich ganz zurück. In Goethes Poesie aber herrschte zunächst weniger,was geziemt, als was gefällt. Sein nächstes Drama ist der „Groß-kophta" mit der fatalen Marquise und der höchst unerquicklichen Nichte.Hatte schon Klärchen die Damen Weimars stutzig gemacht, wie Briefeüber den neu erschienenen „Egmont" nach Italien meldeten — wassagten „edle Frauen" nun zur Faustine der Römischen Elegien undgar zu den Lacerten der Venezianischen Epigramme? Man muß esvon Charlottens Standpunkt und ihrem persönlichen Verhältnis zuGoethe aus begreifen, daß sie ihn als einen Gesunkenen ansah.
Goethe aber buchte in der Rechnung seines Lebens die Einbuße:
Eine Liebe hatt' ich, sie war mir lieber als alles,
Aber ich hab' sie nicht mehr, schweig' und ertrag' den Verlust?)
*) Die Paralipomena der „Lernen", wie man sie in Goedekes historisch-kritischerSchillerausgabe bequem zur Hand hat (Bd. LI S. 153 ff.), bieten als Nr. 37—39die Monodisticha:
Charlotte.
Hunderte denken an dich bei diesem Namen, er gilt nurEiner, auf diesem Papier findet sie, sucht sie ihn nicht.
An * * *
Ja, ich liebte dich einst, dich wie ich keine noch liebte,
Aber wir fanden uns nicht, finden uns ewig nicht mehr.