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Vierter Band
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HundcrtundvierteS Kapitel.

für die Wechselwirkung zwischen Stoff und Stil bewahrte, soauch hier. Der „Don 'Juan" (wiederum in Prosa) atmet einenatürliche Frische, die energische Kraft der realistischen Charak-teristik wird durch die Unmittelbarkeit und leichte Beweglichkeitdes Dialogs verstärkt; der frevle Übermut des großen Herren-tunis war kaum jemals drastischer und eindringlicher geschil-dert worden als in dieser Komödie.

In eigentümlichem Gegensatz zu dem bewegten Leben, demtheatralischen Reiz des „Don Juan" steht Molieres nächsteCharakterkomödie: „Der Menschenfeind" („lle Uisg.mbroxs";erster Druck, Paris 1667), welche, von den Franzosen den vor-züglichsten Leistungen des Dichters mit Recht hinzugerechnet,gelegentlich Wohl auch mit starker nationaler Parteilichkeit alsdas vollendete Musterlustspiel dargestellt wird. Die Handlungzeichnet sich im „Menfchenhasfer" weder durch besonders kunst-volle Verknüpfung noch durch Reichtum aus, vielmehr hat Mö-llere seine ganze Stärke hier der Charakteristik zugewandt. Der„Misanthrop" AIcest ist der Vertreter eines Idealismus, welcherin der französischen guten Gesellschaft und gegenüber dem herr-schenden „doo ssns" keinen Raum mehr hat und für die Thor-heit, die „Welt zu verbessern", gebührendermaßen mit Kränkungenund dem Verlust seiner Geliebten gestraft wird. Die Gegenüber-stellung des Philint mit seiner „umgänglichen" Tugend und desAIcest läßt über die komische Absicht des Dichters gar keinenZweifel, und das französische Publikum hat denn auch jederzeitauf der Seite des elegantern Weltmanns, der sich über nichtsverwundert und nichts fürchtet, als lächerlich zu werden, gegen-über dem murrköpfigen, unhöflichen, krittlichen und pedantischenAlcest gestanden, welcher schließlich verdientermaßen aus irgendeinem einfältigen Landgut verkümmert. Hingegen war derDichter selbst seiner Parteinahme nicht so gewiß, bewußt oderunbewußt enthält die Gestalt des Alcest einen guten Teil vonMolieres eignem Ich, eine geheime Sympathie mit dem unwelt-männischen Zorn und Schmerz des Verspotteten, eine leiseBitterkeit über den unabwendbaren Gang der Dinge spielt im„Menschenhasser" mit, erhöht die Wirkung der überaus seinenEinzelheiten, der vorzüglichen Sprache und gibt dem Dramaeinen Reiz, der die Dürftigkeit der Handlung fast vergessen macht.

Die beiden nächsten größern Komödien Molieres: „Amphi-trhon" (erster Druck, Paris 1668) und „George Dandin"