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Hunderlundviertes Kapitel.
und sich jedem ersten besten mit denselben Umarmungen undFreundschaftsbeteuerungen aufdrängt?"
Ein Dichter, welcher mit dieser innern Freiheit dem Lebengegenüberstand, hatte sicher wenig Aussicht, der Lieblingspoet.des alternden Ludwig XIV. zu bleiben, und insofern mag manes als ein Glück für Möllere erachten, daß er in verhältnis-mäßiger Jugend entrafft wurde, da die Konflikte zwischen seinerpoetischen Natur und den spätern Forderungen seines erhabenenGönners schwerlich ausgeblieben wären. Immerhin darf manüber der Erwägung dieser Möglichkeiten die Thatsache nichtübersehen, daß Moliere für seine siegreich aufstrebende Kraft,seine geniale Kunst bei Ludwig XIV. Schutz und bis auf einengewissen Punkt auch Verständnis fand, in einer Zeit, wo „dieSchauspieler und die dramatischen Autoren von der Zeder biszum Mop teufelmäßig gegen ihn aufgebracht" waren. Daß imübrigen sich Molieres Genie in völliger Selbständigkeit und,man könnte sagen, trotz Ludwigs XIV. und seiner persönlichenNeigungen entwickelt hat, lehrt der Blick über die Gesamtzahlseiner poetischen Werke. Für die französische Kritik steht es na-türlich außer Frage, daß Moliere, so wie er unzweifelhaft dergrößte französische Dichter ist, der erste dramatische Dichter derWelt sei. Trifft nun auch das Urteil der andern Völker mitdieser französischen Anschauung nicht völlig zusamnien, so bleibtMoliere als einem der ersten Lustspieldichter aller Zeiten unddem eigentlichen Begründer der modernen Sittenkomödie einhoher Rang gesichert. Das Genie Molieres, so spezifisch fran-zösisch es ist und so sehr ihn seine spezielle Aufgabe an die Sit-ten und Verhältnisse bannt, welche er in seiner Zeit vorgefun-den, entbehrt jener Kraft und Ursprünglichkeit nicht, durch welcheeine Wirkung auch unter gänzlich veränderten Voraussetzungenund Umgebungen gesichert bleibt. Die „Großheit", die ihm Goethezuspricht („er beherrschte die Sitten seiner Zeit, es ist an ihmnichts verlogen und verbildet. Moliere züchtigte die Menschen,indem er sie in ihrer Wahrheit zeichnete. Er ist ein Mann fürsich, seine Stücke grenzen ans Tragische, sie sind apprehensiv, undniemand hat den Blut, es ihm nachzuthun"), wird sowohl ausseinen ernsten Charakterkomödien als aus dem tollen Übermutseiner Schwänke heraus empfunden. Es ist nichts Kleines, Er-preßtes, Kümmerliches in Moliere, man erkennt leicht, mit wiegroßem, freiem, festem Blick er dem Leben gegenübergestanden und