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Vierter Band
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Hundertuniifünste? Kapitel.

gnngen des alternden Königs und des gesamten Hofs von Ver-sailles. Aber trotz ihrer Frömmigkeit weltlichen und gesellschaft-lichen Interessen vollen Raum gebend, wurden in den Unterrichts-plan des neugegründeten adligen Fräuleinstifts von St. Chr,dessen Gründerin und Beschützerin sie war, musikalisch-drama-tische Übungen aufgenommen. Da es sich nicht leicht zeigte,dramatische Werke aufzufinden, die zur Vorführung durch diejungen Damen besonders geeignet waren, so nahm die Maintenondie Dienste Racines in Anspruch. Racine entschloß sich nurschwer zu einem neuen dramatischen Werk, dichtete aber schließ-lich 1688 das Drama „Esther", welches am 26. Januar 1689von den Fräuleins von St. Chr vor dem König aufgeführt undöfter wiederholt ward. Der außerordentliche Eindruck, den dieseeigentümlichen Vorstellungen hinterließen, ermutigte Frau vonMaintenon, den Dichter zu einer zweiten Schöpfung dieser Artaufzufordern, und Racine dichtete 1690 sein letztes Drama:„Athalia". Inzwischen waren die Bedenken gegen die theatra-lischen Darstellungen von Klosterschülerinnen gellend laut ge-worden, und mau beschränkte sich daher auf ein paar Privatauf-führungen in den Zimmern der Frau von Maintenon.

1690 hatte Ludwig XIV. Racine, welcher damals auf derHöhe der Hchgunst stand, zu seinem Kammerjunker ernannt.Wenige Jahre später fiel der Dichter in so völlige Ungnade,daß ihm sogar untersagt ward, vor dem Angesicht des Königszu erscheinen. Es ist nicht völlig klar, ob seine Parteinahme fürdie des Jansenismus verdächtigten Genossen von Port Royäloder die auf Veranlassung der Frau von Maintenon erfolgteAbfassung einer Denkschrift über den harten Steuerdruck unddie Leiden der niedern Volksklassen die eigentliche Ursache desköniglichen Zorns waren, aber man darf seinem HerausgeberMesnard zustimmen, daß in beiden Fällen der Dichter unsrerAchtung würdig sei und beide zur Ehre seines Andenkens bei-trügen. Dies ist um so wichtiger, als dies Andenken von denverschiedensten Seiten verunglimpft wurde. Noch in Diderotsberühmtem Dialog „Rameaus Neffe" heißt es: „Würdet Ihrnun vorziehen, daß Racine ein guter Mann gewesen wäre, oderdaß er schelmisch, verräterisch, ehrgeizig, neidisch gewesen wäre,aber Verfasser von ,Andromache', ,Britanniens', ,Jphigenia°/PHLdrcv und /Athalia'?" Das Körnchen Wahrheit in allendiesen Anschuldigungen scheint nur eine gewisse Reizbarkeit, eine