Jean Racine und die Tragödie.
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2. November 1708 starb. Seme lyrischen Gedichte (Idylle, Oden,Madrigale), obschon fort nnd fort in seine gesammelten „Werke"(„Mllvros", Paris 1747) aufgenommen, würden ihm keinenPlatz in der französischen Litteraturgeschichte gesichert haben.Er erwarb denselben erst durch seine Tragödien: „Polhxena",„Manlius Capitolinus" und „Theseus", vor allen aberdurch das an zweiter Stelle genannte Trauerspiel. „ManliusCapitolinus", zuerst am 18. Januar 1698 im Theätre francaisaufgeführt, ward ziemlich einstimmig als das beste dramatischeWerk anerkannt, welches nach dem Tod Racines die französischeBühne beschnitten hatte. Man wandte allerdings ein, daß der„Stil" nicht ganz die Eleganz und den Schwung Racines erreiche,daß aber die kunstvolle dramatische Anlage und Verknüpfung, beistrengster Einhaltung der drei Einheiten, und die Energie derCharakteristik der großen Meister der tragischen Bühne vollkom-men würdig seien. Man ließ sich in dieser Auffassung mit Rechtauch dann nicht beirren, als man entdeckte, daß einige der Haupt-motive und wirksamsten Situationen der de la Fosseschen Tra-gödie dem „Geretteten Venedig" des Engländers Thomas Otwayentstammten. „Manlius" behauptete sich jahrzehntelang aufder Bühne und ward im Ansang unsers Jahrhunderts vonTälma neu belebt. Die letzte Dichtung des Poeten: „Coresusund Callirhoe", war ein entschiedener Rückfall in die gespreizteromantische Schäferdichtung der vorhergegangenen Generation,die beiden andern Tragödien des de la Fosse weisen die Vorzügedes „Manlius" nur in Einzelheiten auf.
Eine besondere Gruppe von Tragikern bilden jene Nachfol-ger Racines, welche nur seine beiden geistlichen oder besserhalb geistlichen Tragödien: „Esther" und „Athalia" zum Musternahmen und eine Reihe von biblischen Dramen schufen, diehauptsächlich im letzten Vierteljahrhundert der Regierung Lud-wigs XIV., vorn Hos und von den intimen Kreisen der Frauvon Maintenon her begünstigt, vorübergehende Erfolge hatten.Unmittelbar nach Racine trat der Abbe Claude Woher (gebo-ren 1618 zu Albh, gestorben 22. Juli 1698 zu Paris), der von1640 an eine ganze Reihe mittelmäßiger und schlechter Tragödienzur Ausführung gebracht hatte, mit den für die Fräuleins vonSt. Cyr geschriebenen Tragödien: „Jephtha" (1692) und„Judith" (1695) hervor, Werken, bei denen die religiöse Ten-denz den Mangel jedes wirklich poetischen Verdienstes aufwiegen
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