Lafontaine und die leichte Dichtung.
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hat er dabei hauptsächlich diese „Fabeln" im Auge, welche durchihre natürliche llnmittelbarkeit, durch die kaum zu übertreffendeGrazie ihres Vortrags, durch die dramatische Lebendigkeit, diein ihnen der kleinsten Erzählung, dem flüchtigsten Bericht ver-liehen ist, durch die Belebung der Szene wie der Darstellereiner unvergänglichen Teilnahme wert und gewiß sind. Die La-sontaineschen „Fabeln" waren das stärkste Zeugnis dafür, daßselbst in dieser Periode der französischen Litteratur der Zusammen-hang mit dem altnationälen Geist nicht völlig verloren ward.Denn während ihre Form, der Schliff und die Eleganz ihrerVerse daran gemahnen, daß Lafontaine durch die Schule Mal-herbesund in gewissem Sinn auch Boileans gegangen war, lebenin Gehalt und Ton der Fabeln wie der Erzählungen Elementefort, welche einst in Villon, Element Marot und Rabelais wirk-sam gewesen waren. Die Meisterstücke schlichter Erzählnngskunst,wie „Die Tiere und die Pest",„DieStadtmausund dieFeldmaus",„Kalb, Ziege und Schaf in Gesellschaft des Löwen", „Der Wolfund der Hund", „Wolf, Mutter und Kind", „Die zurückgezogeneRatte", „Der Seifensieder und der Reiche" (denen sich nochhundert gleich vortreffliche zur Seite stellen ließen), beschränktensich nicht auf die eigentliche Fabelwelt, waren dem bloßen Vor-gang oder Gleichnis nach bald aus Äsop und Bilpai, bald ausden ältern Moralisten und Didaktikern entlehnt; aber ihreneigensten Reiz und Zauber haben sie erst durch Lafontaine er-halten.
Begreiflicherweise fand ein Dichter von so hervorstechenderund in mehr als einem Betracht von der Gesamtstimmungund Gefamtrichtung der zeitgenössischen Litteratur abweichenderEigenart ebenso heftige Gegner wie enthusiastische Bewundererund im ganzen wenig glückliche Nachahmer. Der talentvollsteund beste derselben, dessen poetische Erzählungen sich wenn auchnicht neben, doch nach den Produktionen des Meisters mit Ehrenbehaupten konnten, war Jacques Verzier. Geboren am3. Januar 1655 zu Lyon, begann Verzier Theologie zu studie-ren und erwarb an der Sorbonne den Grad eines Bakkalaureus,widmete sich aber später einer Beamtenlaufbahn, die ihm Mußefür seine poetischen Bestrebungen ließ, und bekleidete bis ausein Ende eine Stelle in der Verwaltung der Marine. Verzierfand ein Ende, das zur harmlosen Heiterkeit seines Lebens undDichtens so schlecht wie möglich paßte: er ward am 18. August